Daimler startet Partnerschaft mit BAIC - DER SPIEGEL
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Partnerschaft mit Beijing Automotive Daimlers gefährliche Allianz mit China

Nach der gescheiterten Allianz mit dem US-Konzern Chrysler forciert Daimler eine neue Partnerschaft. Dieses Mal wollen die Stuttgarter mit dem Staatskonzern Beijing Automotive auf dem chinesischen Markt aufholen. Doch auch die neue Allianz birgt große Risiken.
Neues Daimler-Motorenwerk in Peking: Ohne chinesischen Partner läuft nichts
Neues Daimler-Motorenwerk in Peking: Ohne chinesischen Partner läuft nichts

Neues Daimler-Motorenwerk in Peking: Ohne chinesischen Partner läuft nichts

Foto: dpa
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Berlin - Fast ein Jahr hat es gedauert, bis die Mächtigen in Peking die Genehmigung erteilten. Jetzt, wo die Papiere endlich vollständig sind, kann es für Xu Heyi gar nicht schnell genug gehen: Am Montag preschte er mit der Ankündigung vor, dass Daimler und Beijing Automotive (BAIC) bald Partner sind. Schon am Dienstag werde die neue Auto-Allianz bekanntgegeben, sagte der Chef des staatlichen Autokonzerns, nachdem er in Peking ein neues Daimler-Motorenwerk eingeweiht hatte.

In Stuttgart gibt man sich zurückhaltender. Daimler-Chef Dieter Zetsche sei im Flugzeug auf dem Weg nach Peking, heißt es dort lediglich. Von einer Unterzeichnung der Verträge ist nicht die Rede. Dabei dürfte der Daimler-Boss am Dienstag seine Unterschrift unter eines der wichtigsten Papiere setzen, die er in der jüngsten Vergangenheit unterzeichnet hat.

Mit rund zwölf Prozent wird sich der deutsche Traditionskonzern an BAIC Motor beteiligen, eine Tochtergesellschaft, in der Beijing Automotive seine Pkw-Sparte gebündelt hat. Zwei Sitze im Aufsichtsrat sollen den Einfluss der Daimler-Leute künftig absichern. BAIC soll zudem mit 51 Prozent die Mehrheit an dem Gemeinschaftsunternehmen Beijing Benz Automotive (BBAC) übernehmen, das für den Verkauf zuständig ist. Ein Bereich, der in den Jahren zuvor viel Ärger bereitet hat, weil die verschiedenen Vertriebsorganisationen häufig gegeneinander arbeiteten.

BAIC genießt nicht den besten Ruf

Zetsche nennt den Einstieg einen "Meilenstein in Daimlers China-Strategie", der dazu beitragen soll, den Rückstand gegenüber Konkurrenten aufzuholen. Spätestens 2020, wenn nicht schon 2018, soll Daimler gleichziehen, so das Versprechen.

Experten zweifeln daran. "Ich halte 2018 für sehr ehrgeizig und 2020 im Prinzip auch", sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Daimlers Schwierigkeiten in China ließen sich nicht von heute auf morgen lösen. Und ob BAIC die beste Wahl für eine Partnerschaft ist? Zweifelhaft.

Der chinesische Autokonzern genießt nicht eben den besten Ruf. Es sei ein Staatsunternehmen, das für seine Sturheit und Eigenmächtigkeit verschrien sei, schreibt der Shanghaier Analyst Michael Dunne in der "Automotive News China".

Die Tatsache, dass "Commander Xu", wie der BAIC-Chef im Daimler-Konzern nur halb im Scherz genannt wird, einfach mit der Nachricht über die Unterzeichnung des Vertrages vorpreschte, ist ein Vorgeschmack darauf, wer sich in der Allianz als starker Partner fühlt.

Engagement lässt sich nicht einfach beenden

Die Sache wird nicht einfacher dadurch, dass Zetsche das Engagement kaum so einfach wieder beenden kann wie etwa die Partnerschaft mit dem US-Partner Chrysler. Ohne einen einheimischen Partner läuft nichts auf dem chinesischen Markt. Doch Daimler kam zu spät. "Die anderen Konzerne konnten sich ihre Partner noch aussuchen, für Daimler blieb eigentlich nur noch Beijing Automotive übrig", sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg/Essen. Weil dies nicht zu ändern sei, müsse Daimler das Beste aus der Partnerschaft machen.

Immerhin: Nicht alles sei negativ, sagt Dudenhöffer. BAIC verfüge immerhin über eine ordentliche Expertise im Bereich Nutzfahrzeuge. Auf dieser Ebene könnte man Vertrauen aufbauen.

In der Produktion arbeiten Daimler und BAIC schon seit längerem zusammen. So läuft in Peking die C-Klasse vom Band, eine Langversion der E-Klasse, und seit Dezember 2011 auch der Geländewagen GLK. Wenn in den kommenden Monaten die Erweiterung des Werks abgeschlossen ist, soll die Palette um die Kompaktmodelle der A- und B-Klasse und den Kompakt-SUV GLA erweitert werden.

Daimler selbst gibt sich für die Zusammenarbeit optimistisch. Natürlich seien die BAIC-Leute sehr selbstbewusst, heißt es vielsagend. Doch verfüge das Management eben auch über enge Verbindungen zur Machtelite in Peking. Das sei ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Das stimmt - lässt aber auch eine gewisse Ohnmacht erkennen, mit der der Traditionskonzern dem Newcomer aus China gegenübersteht.