David Rockefeller wird 100 Der letzte Tycoon
David Rockefeller: Seine Vorväter kamen aus Rheinland-Pfalz
Foto: Michael C. York / APNew Yorks Museumsszene feierte sich selbst: Trotz Regens tanzten Kunststars wie Jeff Koons und Kara Walker im Skulpturengarten herum, mit Schirmen flankiert von Society-Damen und Wall-Street-Haien. Andere saßen im Atrium über Hummersalat, Spargel und Steak.
Bis zu 100.000 Dollar pro Tisch hatten die Gäste hingeblättert, um sich vorige Woche bei der Gartenparty des Museums of Modern Art (MoMA) sehen zu lassen. Wie jedes Jahr war die Gala eine Spendenaktion - diesmal aber fungierte sie zugleich auch als eine vorgezogene Geburtstagsfete.
Der Gefeierte: David Rockefeller, der letzte Patriarch des US-Milliardärsclans, der an diesem Freitag 100 wird. Er erschien auf einen Stock gestützt, mit breitem Grinsen. Es war ein Moment, der den Lauf der Zeit einschmolz: Als seine Mutter - nach der der Skulpturengarten benannt ist - das MoMA 1929 gründete, war er ein Teenager.
Museum of Modern Art in New York: Von der Mutter gegründet
Foto: © Chip East / ReutersDavid Rockefellers Leben spannt sich von der Ära der Industriebarone bis zur digitalen Revolution. 1915 in die reichste, mächtigste Dynastie Amerikas geboren, gehört er einer Generation an, die durch die Macht ihres Geldes herrschte. Heute verblasst er mit einem Vermögen von drei Milliarden Dollar neben Selfmade-Wunderkindern wie Bill Gates (80 Milliarden Dollar) und Mark Zuckerberg (36 Milliarden Dollar).
Eines aber hat er ihnen voraus: Seine Milliarden sind längst verplant, im Todesfall fällig als Mega-Spenden an Organisationen, Institutionen, Universitäten - siehe Grafik:
So viel Geld zum Verteilen
Foto: SPIEGEL ONLINEZahllose Einrichtungen können hoffen, dass sich ihre Finanzlage dann über Nacht verbessert - was Jubelfeiern wie die MoMA-Gartenparty in ein ganz anderes Licht rückt: "So viele Menschen", notierte das Spendenmagazin "Inside Philanthropy" schon vergangenes Jahr spitz, "warten nur darauf, dass David Rockefeller stirbt."
Hunderte Millionen Dollar hat er zu Lebzeiten schon gespendet. Er verstand das stets als "moralische Verpflichtung" der Reichen - ein Mantra seines Großvaters John Rockefeller Sr., des ersten Milliardärs Amerikas und Mitbegründers von Standard Oil, aus dem Exxon, Chevron und Esso erwuchsen: Wohltätigkeit spiele "eine zentrale Rolle, wenn Gesellschaften Lösungen für ihre schlimmsten Probleme finden".
Sie waren die Ur-Einprozentler, die Geldelite: Rockefeller - seine Vorväter kamen aus Rheinland-Pfalz - wuchs im damals größten Privatanwesen New Yorks und dem Landschloss "Kykuit" auf, wo Prominente wie General George Marshall und Flugpionier Charles Lindbergh verkehrten. In seinen Memoiren beschrieb er 2009, wie er auf Rollschuhen zur Schule eierte - diskret gefolgt von einer Limousine mit Chauffeur.
David war der Jüngste von sechs Geschwistern, sein Bruder Nelson wurde Gouverneur von New York und US-Vizepräsident. Er selbst ging als Banker zu einem anderen Familienunternehmen, der Chase Bank. Die führte er, bis sie zur größten US-Bank JPMorgan Chase fusionierte.
Weitere Geldquellen: Immobilien, Investments, Luxusresorts, Ranches - und die Familienstiftung. Die steuerte David mit seinen Brüdern vom Rockefeller Center aus, das ihr Vater 1933 erbaut hatte. Die legendäre Büroflucht im 56. Stock, voller impressionistischer und moderner Kunst, gab er erst Ende 2014 auf, da hatte er den Wolkenkratzer-Komplex längst an den Immobilienmogul Jerry Speyer verkauft.
Den Rest des Nachlasses regelte Rockefeller schon 2005, zu seinem 90. Geburtstag. Das MoMA, das bisher 150 Millionen Dollar eingesteckt hat, soll bei seinem Tod 100 Millionen Dollar bekommen. Auch die von seinem Vater gegründete Rockefeller University erhält 100 Millionen Dollar. Später kam seine Alma Mater Harvard hinzu, mit ebenfalls 100 Millionen Dollar. Zudem hat er eine Milliarde Dollar für den "Giving Pledge" verfügt, die Spendeninitiative der US-Milliardäre - womit er selbst die jüngste Freizügigkeit von Apple-Chef Tim Cook übertrifft.
Dass aber selbst solche Großmut dieser Tage daneben liegen kann, zeigte sich nicht zuletzt bei der Gartenparty des MoMA. Während sich Rockefeller drinnen krächzend freute ("Ich danke euch allen für einen wunderbaren, wunderbaren Abend!"), standen draußen Hunderte Museumsangestellte im Regen und protestierten mit Sprechchören.
Der Grund: Das MoMA will die Krankenversicherung kürzen und die Gehälter nur minimal erhöhen. Durchschnittslohn: 49.000 Dollar.