Dax-Prognose Analysten prophezeien Börsenboom
Börse in Frankfurt am Main: "Eine Korrektur war überfällig"
Foto: ddp"Die Kurse sind vor allem am Ende des vorigen Jahres rasant gestiegen", sagt Klaus Schrüfer, Chefstratege der SEB Bank. "Eine Korrektur war daher überfällig." Das Gute daran: Die meisten Experten sehen wie er im Januar-Rückgang tatsächlich nur eine Anpassung und keine nachhaltige Umkehr des generellen Aufwärtstrends. "Wir bleiben bei unserer positiven Einstellung für 2010", schreibt zum Beispiel Bob Doll, Aktienchef beim weltweit agierenden Investmentriesen Blackrock, in einem aktuellen Kommentar.
Und in einem Marktausblick von ING Investment Management (ING IM) heißt es: "Wir gehen davon aus, dass globale Aktien Ende 2010 rund 15 Prozent über ihrem derzeitigen Niveau notieren werden." Vor allem in der ersten Jahreshälfte sei mit steigenden Kursen zu rechnen.
Die Weltkonjunktur erholt sich
Zwar gibt es reihenweise Belastungsfaktoren. Die Warnschüsse, die US-Präsident Barack Obama unlängst gegen das Bankenlager abgegeben hat (siehe Kasten in der linken Spalte), sind ein Beispiel dafür. Hinzu kommen die gigantischen Staatsschulden, welche die Regierungen weltweit angehäuft haben - mit allen damit verbundenen Risiken, siehe Griechenland. Die Entwicklung in China, wo die Kreditvergabe aus Angst vor Überhitzung und Inflation bereits eingeschränkt wurde, sorgt ebenfalls für Nervosität. Sie nährt Befürchtungen, die Notenbanken könnten vielleicht doch früher als erwartet den Geldhahn zu- und den Märkten damit die Treibstoffzufuhr abdrehen.
Doch auf der anderen Seite, und das wiegt nach Ansicht der meisten Fachleute die Bedenken mehr als auf, befindet sich die Weltkonjunktur auf dem Weg der Besserung. Dies hat zuletzt auch der Internationale Währungsfonds IWF bestätigt. In Deutschland gibt sich die Bundesregierung ebenfalls optimistisch.
"Auch die Stimmung wird nach wie vor besser, wie der Ifo-Geschäftsklimaindex sowie der Index der EU-Kommission für das Wirtschaftsklima zeigen", sagt Experte Schrüfer. Der Volkswirt verweist außerdem auf die komfortable Liquiditätslage an den Märkten. "Die großen Notenbanken werden wohl frühestens Ende 2010 die Zinsschraube anziehen", sagt er. "Bis dahin gibt es einen Überschuss an Geld und kaum attraktive Alternativen zu Aktien."
Ein Restrisiko bleibt
Das sieht man auch beim Vermögensverwalter IPG Investment Partners in München so. "Viele Investoren haben den Aufschwung 2009 verpasst und warten noch darauf, auf den Zug aufspringen zu können", sagt Portfoliomanager Felix Schleicher.
Einen Grund, der ebenfalls für steigende Aktienkurse spricht, sieht ING IM explizit in den absehbar steigenden Unternehmensgewinnen. Die Erträge werden 2010 global um 25 bis 30 Prozent zulegen und als Motor der Aktienmärkte fungieren, schreibt das Unternehmen. "Damit würden Aktien im Vergleich zu Renten weitaus attraktiver", so ING IM. Ohnehin seien Aktien unter Berücksichtigung der Konjunkturphase noch preisgünstig zu haben.
Allerdings erwarten die Analysten der SEB Bank noch einige Wochen starke Schwankungen und eine bestenfalls seitwärtsgerichtete Bewegung an der Börse. "Dann sollte es aber wieder aufwärts gehen", sagt Schrüfer. 65 Prozent Wahrscheinlichkeit räumt er diesem Szenario ein. 10 Prozent entfallen auf die Variante, dass es noch besser kommt, und 25 Prozent auf den schlechteren Fall, dass die Kurse längerfristig unter Druck bleiben.