meinung •Neuer Chef der Deutschen Bank Hilfe, ein Engländer!
Zentrale der Deutschen Bank: Hauptsache, die Kasse stimmt
Foto: Boris Roessler/ dpaDeutsche Bank, das war einst ein Name wie Donnerhall. Er stand für die Stärke der deutschen Wirtschaft, für deutsche Macht, die Deutsche Bank war eine nationale Institution wie die Lufthansa, die Nationalelf oder Mercedes-Benz. Und nun das: Ein Engländer wird dort Chef. Hilfe, könnte man sagen, ein Mann aus der Heimat des Turbokapitalismus. Darf das sein?
Ja, es darf sein. Und doch ist dieser Chefwechsel ein Moment zum Innehalten. Einmal mehr zeigt sich symbolisch, wie rasant sich die Welt in den vergangenen 25 Jahren verändert hat. Deutschland ist einer der größten Profiteure der Globalisierung, wir leben vom Austausch von Waren, Menschen und Ideen mit anderen Staaten, deutsche Firmen kaufen weltweit große Marken auf. Da darf auch ein Brite die Deutsche Bank regieren.
Die Bank hat sich langsam an diesen Moment herangetastet: Josef Ackermann war zwar auch Ausländer, sprach als Schweizer aber perfekt Deutsch. Anshu Jain, der indischstämmige Brite, durfte nur zusammen mit Jürgen Fitschen regieren.
Die "Deutsche" wie die Bank in Amerika heißt, ist nunmehr ein komplett durchglobalisiertes Unternehmen, der Aufsichtsratschef Paul Achleitner stammt aus Österreich, die Eigentümerstruktur ist so vielfältig wie ihre Mitarbeiterschaft. Bank und Land haben sich fast vollständig entkoppelt. Deutsch sind in diesem Laden nur noch der Name und die Firmenanschrift.
Was für ein Wandel: Die Deutsche Bank wurde 1870 gegründet, sie war immer auch eine politische Bank, sie hatte eine staatstragende Bedeutung, ihr Aufstieg ist mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Deutschlands verbunden - und mit den politischen Sünden.
Die Deutsche Bank finanzierte den Bau der Bagdad-Bahn, sie war verstrickt in die Verbrechen der Nazi-Zeit. Nach dem Krieg zog Großmeister Hermann Josef Abs im rheinischen Kapitalismus die Fäden. Er war noch Bankier, nicht Banker. Politik, Aufsichtsräte, Management, Eigentümerschaft, alles war mit allem verwoben. Die Manager der Deutschen Bank herrschten bei Daimler, Krupp, Hoesch. Die Vorstände Karl Klasen oder Alfred Herrhausen waren wichtige Einflüsterer der Bonner Republik.
Für die Politik waren die Chefs der Deutschen Bank wichtige Ansprechpartner, Kanzler konnten so Einfluss nehmen auf Entscheidungen über Arbeitsplätze, also Wählerstimmen. Heute redet die Politik mit den Anteilseignern, das sind gigantische Vermögensverwalter wie Blackrock. Sie kontrollieren hinter den Kulissen das Geschäft.
Da ist es längst egal, aus welchem Land der Chef kommt. Das Deutschland von Abs, Herrhausen und Kohl gibt es nicht mehr. Das kann man gut oder schlecht finden. Am eigentlichen Sinn und Zweck des Bankgeschäfts ändert das alles nichts. Am Ende geht und ging es bei der Deutschen Bank immer nur um das eine: Hauptsache, die Kasse stimmt.