Deutsche-Bank-Chef Jain umgarnt Aktionäre auf Deutsch
Deutsche-Bank-Chef Jain: "Danke für Ihre Geduld mit meinem Deutsch"
Foto: RALPH ORLOWSKI/ REUTERSFrankfurt am Main - Die Hauptversammlung der Deutschen Bank hat mit Protesten begonnen. Vor der Frankfurter Festhalle demonstrierten rund 40 Anhänger von Blockupy, Pax Christi und Aktion Aufschrei gegen die Geschäfte der Bank. Ein Aktivist hatte sich mit Tomatenmark und roter Beete eingeschmiert - die Demonstranten werfen dem Geldhaus vor, sie finanziere Waffengeschäfte.
In der Halle trat Co-Chef Anshu Jain vor die Anteilseigner. Kaum hatte er das Wort ergriffen, wurde er auch schon von Zwischenrufen unterbrochen - als "Krisenprofiteure" wurden er und seine Vorstandskollegen beschimpft. Etwa ein Dutzend Aktivisten sprangen auf und riefen: "Deutsche Bank, deutsches Geld - morden mit in aller Welt." Die Ordner verwiesen einige Störer aus dem Saal. Jain begann erneut - und der gebürtige Inder sprach wie erwartet erstmals auf Deutsch. "Dies ist ein bewegender Tag für mich. Jürgen Fitschen und ich sind beide rund 20 Jahre bei der Deutschen Bank", sagte der 50-Jährige - noch etwas holprig, aber mit fester Stimme.
Mehrere Minuten spricht Jain über den Kulturwandel und die Kapitalausstattung der Bank. Er wirbt für Geduld, was das Erreichen der Ziele betrifft. "Danke auch für Ihre Geduld mit meinem Deutsch", sagt er. Er spricht sehr langsam und blickt immer wieder auf sein Manuskript. "Ich hoffe, bei der nächsten Hauptversammlung ist mein Deutsch etwas besser."
"Wir trafen auf Freundlichkeit und Freundschaft"
Sein Co-Chef Jürgen Fitschen warnte angesichts der Rekordjagd an den Börsen vor zu großer Euphorie. Mit Blick auf die sehr optimistische Stimmung an den Finanzmärkten bestehe "das Risiko, dass die fiskalpolitischen Schwierigkeiten in den USA und die Folgen der europäischen Schuldenkrise unterschätzt werden könnten", sagte Fitschen. Insgesamt sehe die Bank nach turbulenten Zeiten 2013 aber gute Chancen für eine Stabilisierung der Weltkonjunktur.
Fitschen und Jain legten vor den Aktionären erneut ein Bekenntnis zur Universalbank mit großem Investmentbanking und einem starken Privatkundengeschäft ab. Sie kündigten an, sich in die politische Diskussion einzubringen, um für dieses Modell zu kämpfen. Unter dem Stichwort Trennbanken gibt es in Deutschland und Europa Pläne, den Privatkundenbereich stärker vom riskanten Investmentbanking abzugrenzen.
Jain schloss seine Rede mit ein paar persönlichen Worten: "In den vergangenen Monaten verbrachten meine Familie und ich viel Zeit hier in Deutschland", sagte er. "Wir trafen auf Freundlichkeit und Freundschaft. Das tat gut."