Quartalsverlust Deutsche Bank rutscht in die roten Zahlen
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Hoher Puffer für Prozesse
Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance / dpaFrankfurt am Main - Der millionenschwere Puffer für Strafen und Bußgelder hat der Deutschen Bank einen Verlust eingebrockt. Im dritten Quartal fraßen neue Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten die Fortschritte im laufenden Geschäft auf. Unterm Strich rutschte das Institut deshalb mit 92 Millionen Euro wieder in die roten Zahlen, wie die Bank mitteilte. Vor einem Jahr meldete das Institut noch einen Gewinn von 51 Millionen Euro.
Bereits in der vergangenen Woche hatte Deutschlands größte Bank mitgeteilt, dass sie allein in den Sommermonaten für Strafen und Bußgelder noch einmal knapp 900 Millionen Euro zur Seite gelegt hat. Da ein Großteil davon nicht steuerlich abzugsfähig ist, gab es nun den Verlust. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten summieren sich inzwischen auf rund drei Milliarden Euro. Das dürfte sich in naher Zukunft kaum ändern, wie die beiden Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen einräumten. Hinzu kämen die Lasten des Konzernumbaus. "Wir bleiben fest entschlossen, diese Agenda abzuarbeiten."
Die Belastungen überschatten ein ansonsten gutes Tagesgeschäft. Das gesamte Vorsteuerergebnis im dritten Quartal stieg von im Vorjahr 18 Millionen Euro auf 266 Millionen Euro. Vor allem die Investmentsparte lief wieder gut. Dass dort am Ende trotzdem nur ein Gewinnplus vor Steuern von vier Prozent auf 374 Millionen Euro stand, lag daran, dass die meisten Rückstellungen hier verbucht wurden. Im Privatkundengeschäft stieg der Vorsteuergewinn um drei Prozent auf 356 Millionen Euro. In der Vermögensverwaltung, seit zwei Jahren die größte Baustelle im Konzern, verdiente die Bank mit 288 Millionen Euro zwei Prozent mehr. Die Sparte sammelte unterm Strich 17 Milliarden Euro an neuen Kundengeldern ein.
Aktienhändler zeigten sich angesichts der roten Zahlen aber enttäuscht. Im frühen Handel verlor die Aktie der Deutschen Bank gut zwei Prozent. Ein Händler sagte, die Zahlen seien zwar negativ, aber keine Katastrophe.
Deutsche Bank holt Manager von Goldman Sachs
Bereits am Dienstagabend wurde bekannt, dass die Deutsche Bank ihren Vorstand umbaut. Neuer Finanzvorstand wird Marcus Schenck. Der Manager wechselt vom Rivalen Goldman Sachs zur Deutschen Bank. Der bisherige Finanzvorstand Stefan Krause erhält das neu geschaffene Ressort für Strategie und Operational Excellence und soll sich künftig um die langfristige Weiterentwicklung der Bank kümmern.
Mit dem Umbau des Vorstands will die Deutsche Bank auch beim Abarbeiten ihrer Rechtsstreitigkeiten vorankommen. Finanzkreisen zufolge wird an einem Vergleich im Zinsskandal gearbeitet. Diese Affäre könnte die Deutsche Bank noch einmal eine Strafe von fast einer Milliarde Euro kosten, nachdem die EU bereits vor einem Jahr ein Bußgeld von 725 Millionen Euro verhängt hatte. Außerdem will das Institut weitere US-Hypothekenklagen vom Tisch räumen und einen Streit mit den US-Behörden über mutmaßliche Sanktionsverstöße beilegen.