Tarifkonflikt Postboten treten in Warnstreik
Postmitarbeiter in Berlin: Das Unternehmen zeigt kein Verständnis für den Warnstreik
Foto: Lukas Schulze / dpaDie Friedenspflicht im Tarifstreit lief um Mitternacht aus, nur wenige Stunden später treten Postbeschäftigte in mehreren Bundesländern in den Warnstreik. Die Gewerkschaft Ver.di hat zu dem Ausstand aufgerufen. Ein Sprecher ging davon aus, dass es bei der Zustellung von Briefen und Paketen zu Verzögerungen kommen wird. Allein in Baden-Württemberg sollen am Mittwoch mehr als 1,5 Millionen Briefe und rund 150.000 Paketsendungen ihre Empfänger nicht erreichen.
Ver.di kämpft bei der Post für Arbeitszeitverkürzungen für die 140.000 tariflich bezahlten Mitarbeiter des Unternehmens. Statt 38,5 Stunden sollen die Angestellten nur noch 36 Stunden arbeiten - bei vollem Lohnausgleich. Nach Angaben des Konzerns käme dies einer Lohnerhöhung um 6,9 Prozent gleich.
Außerdem will die Gewerkschaft die Ausgliederung von Beschäftigten in Regionalgesellschaften mit geringerer Bezahlung verhindern. Das Unternehmen will in diesen Gesellschaften bis 2020 rund zehntausend unbefristete Stellen schaffen. Das Gehalt soll sich an den niedrigeren Tarifen der Logistikbranche orientieren, die etwa auch der Onlinehändler Amazon als Maßstab nimmt.
Das Management der Deutschen Post hatte verschiedene Ideen zur Verkürzung und Flexibilisierung von Arbeitszeiten vorgelegt, aber die Frage des Lohnausgleichs ausgeklammert.
Post-Personalchefin Melanie Kreis zeigte kein Verständnis für die Warnstreiks: Die Post habe sich sehr konstruktiv mit der Ver.di-Forderung auseinandergesetzt. Sie werde jetzt alles tun, um die Auswirkungen der Warnstreiks auf die Kunden zu beschränken.
Ver.di hat bereits rund 500 Zusteller der Deutschen Post in Rheinland-Pfalz und im Saarland für Mittwoch zu Warnstreiks aufgerufen. Es handele sich um Mitarbeiter von Niederlassungen in Mainz, Koblenz und Saarbrücken, wie Ver.di mitteilte. Zu einer Streikversammlung in Mutterstadt würden rund 400 Teilnehmer erwartet. Auch in Bayern rief Ver.di ihre Mitarbeiter in den Brief- und Paketzentren zu Arbeitsniederlegungen auf. Die zentrale Streikveranstaltung wurde für den Vormittag in Fürstenfeldbruck angesetzt.