Konzernumbau EADS streicht 2600 Stellen in Deutschland
EADS-Logo in München: 4500 Festangestellte betroffen
Foto: Peter Kneffel/ dpaHamburg - Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS baut 5800 Stellen ab. Das gab das Unternehmen am Montag bekannt. Unternehmenskreise bestätigten gegenüber SPIEGEL ONLINE einen Bericht der Nachrichtenagentur AFP, wonach 2600 der betroffenen Arbeitsplätze in Deutschland liegen. Bei 570 davon handele es sich um befristete Verträge. Damit trägt Deutschland den größten Teil des Stellenabbaus.
Insgesamt sind vom Stellenabbau 4500 festangestellte Mitarbeiter und 1300 befristete Verträge betroffen. Rund 1500 Mitarbeitern will der Konzern neue Stellen bei den Töchtern Airbus und Eurocopter anbieten. Zugleich soll es etwa Programme zur Frühverrentung oder Abfindungen geben. Je nachdem, wie viele Mitarbeiter diese Angebote annehmen, werden laut Konzern am Ende 1000 bis 1450 Mitarbeiter eine Kündigung erhalten.
Die Jobs fallen vor allem in der neuen Rüstungs-und Raumfahrtsparte weg. Deren Sitz ist künftig in Deutschland, in Ottobrunn bei München. Den nahe gelegenen Standort Unterschleißheim will EADS dagegen wie bereits vermutet verkaufen. Von dort sollen rund 1000 Jobs nach Ottobrunn verlagert werden. Weitere 200 bis 300 Arbeitsplätze sollen an andere süddeutsche Standorte verlagert werden.
In Frankreich sollen nach Angaben aus EADS-Kreisen etwa 1700 Stellen wegfallen, in Großbritannien 700 und in Spanien 600. In Frankreich verkauft der Konzern seine bisherige Zentrale in Paris, nachdem EADS-Chef Thomas Enders bereits zentrale Funktionen an den Airbus-Sitz in Toulouse verlagert hatte. Die betroffenen Mitarbeiter werden an den Standort Suresnes bei Paris verlegt. Der französische Schwerpunkt der Rüstungs-und Raumfahrtsparte soll an den Standorten Elancourt und Les Mureaux liegen, die sich ebenfalls im Großraum Paris befinden.
In Spanien verlagert EADS Aktivitäten aus San Severo und Castellana nach Getafe, weitere Transfers würden geprüft. In Großbritannien sollen Mitarbeiter aus kleineren Werken an die Hauptstandorte Stevenage, Portsmouth und Newport verlegt werden.
"Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit im Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft steigern - und wir müssen jetzt damit beginnen", sagte Konzernchef Enders laut einer Pressemitteilung. "Unsere traditionellen Märkte in diesen Bereichen schrumpfen, daher müssen wir dringend den Zugang zu internationalen Kunden verbessern und Wachstumsmärkte erschließen."
Die EADS-Führung hatte am Montag in München die Betriebsräte des Konzerns über den geplanten Umbau des Unternehmens und Stellenstreichungen informiert. Enders hatte bereits zuvor deutlich gemacht, dass es harte Einschnitte vor allem im Rüstungsbereich wegen rückläufiger Aufträge von Staaten geben werde. In einem Medienbericht Ende November hatte es allerdings noch geheißen, dass bis zu 8000 Stellen gestrichen werden könnten.
Die EADS-Aktie reagierte mit einen Kursplus auf die Kürzungspläne. Nach ihrer Bekanntgabe legte das Papier bis zum Handelsschluss an der Pariser Börse um 0,82 Prozent auf 50,49 Euro zu.
Deutlich weniger begeistert reagierten Arbeitnehmervertreter auf die Pläne. "Die Börse ist ein schlechter Ratgeber, wenn es um langfristige Unternehmensperspektiven geht", sagte der europäische Betriebsratschef Rüdiger Lütjen. Zwar hofften die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat nun auf faire Verhandlungen über die Details der Stellenstreichungen. Verägert sei man aber insbesondere darüber, dass EADS betriebsbedingte Kündigungen nicht ausschließe. "Es wäre bei den Gewinnen, die der Konzern erreicht, niemandem vermittelbar, Mitarbeiter vor die Tür zu setzen."