Niedrige Strompreise EnBW streicht Hunderte Jobs
Ostsee-Windpark EnBW Baltic 2
Foto: Stefan Sauer/ dpaDie Strompreise sinken, der Ausstieg aus der Kernenergie kostet viel Geld. Der Energieversorger Energie Baden-Württemberg (EnBW) zieht die Konsequenzen und Hunderte Arbeitsplätze ab. Das Unternehmen werde sich aus dem Strom- und Gasvertrieb an Großkunden der Industrie zurückziehen, teilte EnBW mit. Davon seien 400 Beschäftigte betroffen, denen ein Aufhebungsvertrag oder ein alternativer Arbeitsplatz im Konzern angeboten werde.
Auch im Privatkundengeschäft, der Energieerzeugung und der Verwaltung stehen demnach Stellenstreichungen bevor, die noch nicht beziffert wurden. In den vergangenen zwei Jahren waren bereits rund 1650 Stellen weggefallen. Zuletzt beschäftigte der Energieversorger gut 20.300 Mitarbeiter. Das im vergangenen Jahr angekündigte Sparprogramm von 400 Millionen Euro bis 2020 werde um 250 Millionen Euro erhöht.
EnBW-Chef Frank Mastiaux hatte erneute Kürzungen bereits im März angekündigt. Zusätzliche Kostensenkungen seien notwendig, weil sich das Umfeld durch sinkende Strompreise weiter verschlechtert habe und der Vertrieb schneller umgebaut werden müsse, sagte Mastiaux. EnBW kämpft darum, Einbußen durch den Atomausstieg unter anderem über den Ausbau erneuerbarer Energien wettzumachen. Der einst stark auf Atomstrom fokussierte Energieversorger hat bereits drei von fünf Kernreaktoren vom Netz genommen.
RWE vertagt Gespräche über Gehaltskürzungen
Auch der Energiekonzern RWE steht unter Druck - und will die Gehälter der Mitarbeiter spürbar kürzen. Entsprechende Gespräche wurden am Dienstag allerdings ergebnislos vertagt. Die Stimmung sei "angespannt" gewesen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft IG BCE. Das Unternehmen wollte sich zu Inhalten des Treffens nicht äußern. Am 4. und 5. Juli wollen die Parteien erneut zusammenkommen.
In der RWE-Stromerzeugung mittels Kraftwerken und im Braunkohletagebau arbeiten nach Unternehmensangaben rund 14.000 Menschen. Kürzungspläne gibt es laut IG BCE auch beim großen RWE -Konkurrenten, der ausgegliederten E.on-Kraftwerkstochter Uniper. Dort stünden am 24. Juni in Hannover Gespräche über tarifvertragliche Kürzungen an.
Angesichts dramatisch gefallener Großhandelspreise wollen die Konzerne laut der Gewerkschaft die Einkommen spürbar reduzieren. Einem Flugblatt der Gewerkschaft zufolge möchte RWE in der Erzeugung Zulagen kürzen und fordert unter anderem Änderungen der Arbeitszeit, den Wegfall von Weihnachtsgeld und vermögenswirksamen Leistungen. Die Gewerkschaft beziffert das Gesamtvolumen der Einbußen auf rund ein Viertel des bisherigen Einkommens.