Energiepolitik: Kubas Öl-Fieber bringt Obama in Bedrängnis - DER SPIEGEL
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Energiepolitik Kubas Öl-Fieber bringt Obama in Bedrängnis

Die kubanische Regierung treibt ihre Wirtschaftsreformen voran und will vor der Küste nach Öl suchen. Ausgerechnet im Golf von Mexiko soll gebohrt werden. Für Firmen aus den USA gilt dort ein Förderstopp - nun ärgern sie sich, dass die Kommunisten ihnen Geschäfte wegschnappen könnten.
Kubanische Ölplattform: Das kommunistische Regime sucht nach Einnahmequellen
Kubanische Ölplattform: Das kommunistische Regime sucht nach Einnahmequellen

Kubanische Ölplattform: Das kommunistische Regime sucht nach Einnahmequellen

Foto: DESMOND BOYLAN/ REUTERS
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Havanna - Wenn kommunistische Staaten sich wirtschaftlich öffnen, lässt sich meist viel Geld verdienen. Diese Chancen sehen Firmen auch in Kuba. Die dortige Führung will die Suche nach Ölvorkommen auf hoher See vorantreiben. Doch das könnte zum Problem für die US-Regierung werden.

Denn die kubanische Regierung will im Golf von Mexiko, nur etwa 80 Kilometer von der US-Küste Floridas entfernt, nach Öl bohren. US-Präsident Obama hat nach der Katastrophe durch die Explosion der Plattform Deepwater Horizon für die angrenzenden US-Gewässer in diesem Gebiet Bohrungen untersagt. "Viele Leute werden in Washington vorstellig werden und fragen: 'Warum dürfen die Kubaner in diesem Gebiet Öl fördern und wir nicht?'", sagte der Energieexperte Jorge Pinon auf einer Konferenz in Kalifornien.

Auch wie die kubanische Führung an die Technik für die Bohrungen kommt, dürfte der US-Regierung ein Dorn im Auge sein. Wegen eines Embargos dürfen US-Firmen keine Geschäfte mit der Regierung in Havanna machen. Diese arbeitet aber mit dem spanischen Energiekonzern Repsol YPF zusammen. Das Unternehmen hat eigens für Kuba eine Bohrinsel bauen lassen - bestimmte Standard-Technikbausteine von US-Firmen durften wegen des Embargos dabei nicht verwendet werden.

Laut Experte Pinon wird aber ausgerechnet ein auf US-Bauweise basierender Bohrlochschieber verwendet. Ein solches Bauteil sorgte bei der Katastrophe auf der Deepwater Horizon für Probleme. Sollte es im Golf von Mexiko auf der kubanischen Plattform zu einem Unfall kommen, könnte Repsoil wegen des Embargos nicht die USA um Hilfe bitten, sagte Pinon. Unterstützung müsse dann aus anderen Ländern kommen. Pinon forderte deshalb eine gemeinsame Strategie der US-Regierung mit den für Kuba tätigen Ölfirmen für den Golf von Mexiko.

Die mit chinesischer Technik gebaute Ölplattform Scarabeo 9 soll Kuba in den kommenden Monaten zur Verfügung stehen. Experte Pinon sagte, die Bohrinsel werde im September oder Oktober in Kuba eintreffen und könne in bis zu 3650 Metern Tiefe Öl fördern.

Norwegen hilft Kuba bei der Suche nach Öl

Repsol hat bereits 2004 vor der Küste Kubas die Suche nach Erdöl aufgenommen. Experten rechnen damit, dass auch andere Firmen nachziehen könnten, wenn Repsol auf lukrative Ölvorkommen stößt. Kuba schätzt seine Ölvorkommen auf offener See auf 20 Milliarden Barrel, US-Behörden gehen nur von fünf Milliarden Barrel aus.

Das Öl-Fieber der kubanischen Regierung hat auch Norwegen erfasst. Das skandinavische Land will das kommunistische Kuba bei der Suche nach Ölvorkommen auf hoher See unterstützen. Die stellvertretende norwegische Regierungschefin Ingrid Fiskaa sagte bei einem Besuch in Havanna, beide Staaten wollten ihre "Erfahrung im Umgang mit Ölvorkommen und Bohrtechnologien teilen". Dazu unterzeichneten beide Seiten ein entsprechendes Abkommen.

Nach Angaben kubanischer Staatsvertreter plant das Land fünf Bohrungen auf hoher See, um Ölvorkommen zu finden. Laut Norwegens Botschafter in Havanna, John Petter Opdhal, traf sein Land mit Kuba auch neue Vereinbarungen zu Fischzucht, Außenhandel und den diplomatischen Beziehungen. Die kommunistische Führung Kubas treibt derzeit Wirtschaftsreformen voran.

mmq/Reuters/AFP