Evonik sagt Börsengang ab - DER SPIEGEL
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Chemiekonzern Evonik stoppt Börsengang

Der milliardenschwere Börsengang des Chemiekonzerns Evonik ist vorerst gescheitert. Wegen der Euro-Krise verzichtet der Haupteigentümer, die RAG-Stiftung, auf den Schritt. Die Unsicherheit an den Börsen sei derzeit zu groß.
Evonik-Zentrale in Essen: Börsengang abgesagt
Evonik-Zentrale in Essen: Börsengang abgesagt

Evonik-Zentrale in Essen: Börsengang abgesagt

Foto: Nico Kurth/ dpa
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Essen - Der Chemiekonzern Evonik hat den für Ende Juni geplanten Börsengang abgesagt. Wegen der hohen Unsicherheit der Märkte sei der derzeit erzielbare Preis zu weit von einer angemessenen Bewertung des Unternehmens entfernt, teilte die RAG-Stiftung am Montag mit. Die Stiftung ist Mehrheitseigentümer und hält 74,99 Prozent an dem Unternehmen.

Der Börsengang war bereits zweimal verschoben worden. Bei Beratungen mit den zuständigen Banken sei klargeworden, dass zentrale Voraussetzungen für den Sprung aufs Börsenparkett nicht erfüllt seien, hieß es aus Kreisen der Stiftung. In den Gesprächen der vergangenen Wochen hätten zwar viele große Investoren ihre Bereitschaft zu einem Engagement bei Evonik bekundet. Doch sei wegen der Sorge über die Entwicklung der Eurozone kein angemessener Preis zu erzielen, hieß es.

Aus Sicht der beiden Evonik-Aktionäre - der RAG-Stiftung und des Finanzinvestors CVC - und des Unternehmens sei deshalb ein Börsengang zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu rechtfertigen. "Evonik ist nach wie vor in glänzender Verfassung; ihr Börsengang kann aber erst ins Auge gefasst werden, wenn die Lage auf den Finanzmärkten einen angemessenen Erlös ermöglicht", hieß es in der Mitteilung der Stiftung.

Börsengang nicht nötig

Eigentlich sollte der Börsengang der RAG-Stiftung zur Finanzierung der sogenannten Ewigkeitslasten nach dem Auslaufen des deutschen Steinkohlebergbaus im Jahr 2018 dienen. Dazu gehören etwa die Kosten für das auch nach der Stilllegung der letzen Zechen weiterhin notwendige Absenken des Grundwasserspiegels im Ruhrgebiet.

Nach Informationen SPIEGEL könnten die Ewigkeitslasten von der RAG-Stiftung aber problemlos auch ohne den Evonik-Börsengang bezahlt werden. Einem Sitzungsprotokoll der RAG-Stiftung vom 10. Juni 2012 zufolge hat die Stiftung vor dem Hintergrund des Börsengangs mehrere mögliche Szenarien durchgerechnet. Wichtigstes Ergebnis: Selbst ohne Börsengang verfügt die Stiftung über genügend Liquidität, die nach Schließung der letzten Zechen Ende 2018 anfallenden Ewigkeitslasten wie das Pumpen von Grundwasser oder Bergschäden bezahlen zu können.

Auch unter "konservativen Prämissen", heißt es in dem Protokoll, können die geschätzten Kosten für Ewigkeitslasten in Höhe von rund 220 Millionen Euro jährlich gedeckt werden. Es bleibe sogar ein Überschuss von rund 156 Millionen Euro pro Jahr für die Stiftung. Ein Börsengang des Chemiekonzerns wäre somit gar nicht nötig gewesen, schon gar nicht in Zeiten der Euro-Krise.

cte/dapd/dpa-AFX

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