EZB-Direktor Coeuré verteidigt Minizins - DER SPIEGEL
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EZB-Direktor "Höhere Leitzinsen schaden Sparern"

Die Kritik an der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) reißt nicht ab. Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré hat dafür jedoch kein Verständnis. Die Sparer seien nicht die Verlierer der europäischen Geldpolitik.
EZB-Neubau in Frankfurt: Kalte Enteignung?
EZB-Neubau in Frankfurt: Kalte Enteignung?

EZB-Neubau in Frankfurt: Kalte Enteignung?

Foto: Daniel Reinhardt/ dpa
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Düsseldorf - Die Reaktionen auf die Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) waren scharf. Doch Benoît Coeuré, Mitglied im EZB-Direktorium, hält dagegen: "Immer lauter werden derzeit Klagen, die EZB bevorzuge mit ihrer Politik der niedrigen Zinsen bewusst Kreditnehmer auf Kosten von Sparern", schreibt er in einem Gastbeitrag für das "Handelsblatt". "In Ländern wie Deutschland wird sogar von kalter Enteignung derjenigen gesprochen, die Geld für das Alter zurücklegen. Ich halte diese Schlussfolgerung nicht für angemessen", schreibt Coeuré. "Die aktuell niedrigen Renditen für Sparer sind vor allem eine anhaltende Folge der jüngsten, tiefen Rezession und der Fragmentierung des Finanzmarktes im Euro-Raum", so der Franzose Coeuré.

Am vergangenen Donnerstag hatten Europas Währungshüter den Leitzins von 0,5 Prozent auf das historische Tief von 0,25 Prozent gesenkt. EZB-Präsident Mario Draghi hatte den Schritt mit der niedrigen Inflationserwartung und der schwachen Konjunktur begründet. Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Allerdings gab es nach der EZB-Entscheidung zahlreiche kritische Stimmen. Das niedrige Zinsniveau entwertet Geldanlagen und stellt etwa Lebensversicherer vor große Probleme, angemessene Überschüsse für ihre Kunden zu erwirtschaften.

Doch Coeuré hält dagegen: Im derzeitigen Umfeld seien niedrige Leitzinsen ein Instrument, das mit dem Ziel eingesetzt werde, die Preisstabilität zu wahren. Und Preisstabilität sei eine Grundvoraussetzung, um die Konjunktur wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zu bringen. "Höhere Leitzinsen hätten die Rezession verschärft, das Einsetzen einer Erholung verzögert und zu deflationären Risiken beigetragen", ist der Notenbanker überzeugt. Höhere Leitzinsen würden dem Sparer schaden. Er sei demnach kein Verlierer der EZB-Geldpolitik, wie viele behaupten.

yes/dpa