Fernbusverkehr Bahn droht mit weniger ICE-Verbindungen
Protest für eine bessere Zuganbindung in Weimar (9. April): Bahn droht mit Kürzungen
Foto: Omega/ dpaHamburg - Die Deutsche Bahn erwägt gravierende Einschnitte beim ICE-Netz. Die von der Bundesregierung bis Jahresende geplante Liberalisierung im Fernbusverkehr bedrohe das dichte Netz an Verbindungen, sagte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg der "Financial Times Deutschland". Seine Sorge: Fahrgäste könnten künftig auf billige Busse umsteigen. "Wenn etwa Strecken dann nur noch unwirtschaftlich betrieben werden können, werden wir möglicherweise handeln müssen."
"Jeder Euro Umsatz, den wir hier an den Fernbus verlieren, kostet auch schon fast einen Euro operativen Gewinn", sagte Homburg der Zeitung. "Es kann zu einer Ausdünnung des ICE-Netzes führen - muss es aber nicht." Internen Bahn-Studien zur Folge könnte das Unternehmen auf einigen Strecken bis zu 20 Prozent der Fahrgäste verlieren.
Betroffen wäre laut Homburg das "schwächer ausgelastete Randnetz", also alle ICE-Bahnhöfe, die nicht auf der Nord-Süd-Achse zwischen Hamburg und München oder dem Bogen von Berlin über Rhein/Ruhr und Stuttgart nach München liegen. Stopps in Leipzig, Erfurt und Flensburg seien deswegen gefährdet, schreibt die FTD.
Gleichzeitig kündigte der Bahn-Vorstand an, den Fernbusmarkt beherrschen zu wollen: "Wenn wir es nicht schaffen, klarer Marktführer zu sein, verstehen wir unser Handwerk nicht", sagte er der "FTD". Demnach will die Deutsche Bahn auf einen Marktanteil von über 50 Prozent kommen und nach einer Anlaufphase Umsätze in dreistelliger Millionenhöhe einfahren.
Bisher sind Städteverbindungen in Deutschland der Bahn vorbehalten. Ein Linienverkehr mit Fernbussen ist, mit wenigen Ausnahmen, verboten. Bis Jahresende will die Bundesregierung dieses Privileg kippen, ein entsprechender Kabinettsbeschluss soll Ende Mai vorliegen.
Um was für Preisunterschiede es geht, verdeutlicht ein Beispiel der Strecke Berlin-Hamburg, für die eine Ausnahmegenehmigung gilt. Das günstigste Busticket für die Strecke kostet 9 Euro, die Bahn verlangt mit ihrem Sparangebot 39 Euro.