Autokonzerne Fiat übernimmt Chrysler komplett
Chrysler- und Fiat-Chef Sergio Marchionne: Übernahme perfekt
Foto: Rebecca Cook / REUTERSMailand - Die Mehrheit am Chrysler besitzt Fiat bereits seit mehr als vier Jahren: 2009 rutschte Chrysler in die Insolvenz, die Italiener kamen zu Hilfe und erhielten im Gegenzug 58,5 Prozent der Anteile an dem US-Unternehmen. Inzwischen läuft das Geschäft bei Chrysler wieder prächtig, und Fiat strebt schon seit langem die alleinige Kontrolle über die Firma an.
Das ist nun offenbar gelungen: Fiat übernehme für 1,75 Milliarden Dollar (1,27 Milliarden Euro) die ihm bislang noch fehlenden 41,5 Prozent der Anteile an Chrysler, teilte Fiat am Mittwoch mit. Ein entsprechender Deal mit der US-Autogewerkschaft UAW (Veba Trust) werde "in die Geschichtsbücher eingehen", erklärte Fiat-Chef Sergio Marchionne. Außerdem zahlt der Konzern knapp 1,9 Milliarden Dollar an Sonderdividenden. Insgesamt kommen so 3,65 Milliarden Dollar (2,65 Milliarden Euro) zusammen. Zudem zahle Fiat in vier Jahrestranchen insgesamt 700 Millionen Dollar für gewerkschaftliche Zugeständnisse an Veba, um die Fiat-Chrysler-Allianz zu unterstützen. Fiat benötigt nach eigenen Angaben keine Kapitalerhöhung, um den Kauf zu stemmen.
Fiat erwartet, dass die Transaktion bis 20. Januar abgeschlossen sein wird. Der Schritt beendet einen langen Streit um den Preis der Chrysler-Anteile. Die Pensionskasse Veba verlangte für ihre Beteiligung nach Insider-Informationen fünf Milliarden Dollar. Analysten schätzten das Paket dagegen nur auf rund vier Milliarden Dollar.
Zwischenzeitlich war auch ein Börsengang Chryslers erwogen worden. Beobachter vermuteten dahinter unterschiedliche Motive: Die einen vermuteten, dass Marchionne die ins Stocken geratenen Verhandlungen wieder in Gang bringen wollte, andere sahen dagegen ein Manöver der Veba, die hoffte, ein Börsengang werde den Preis ihrer Anteile steigern.
Mit der vollständigen Verschmelzung steigt der Turiner Konzern zum siebtgrößten Autobauer der Welt auf und stellt sich damit im umkämpften Autogeschäft besser auf gegenüber Rivalen wie Volkswagen, der Opel-Mutter General Motors oder Ford.
"Dank der einheitlichen Besitzverhältnisse können wir nun unsere Vision eines globalen Autobauers umsetzen", erklärte Konzernchef Sergio Marchionne am Mittwoch in Turin. Während Fiat seine Autos vor allem in Europa und Lateinamerika verkauft, ist Chrysler aus Auburn Hills nahe Detroit in Nordamerika stark. Zu dem Gesamtkonzern gehören auch die italienischen Marken Alfa Romeo, Lancia und Abarth sowie die amerikanischen Marken Jeep, Dodge und Ram.