Finanzielle Probleme Aktie von Reiseveranstalter Thomas Cook stürzt ab
Flugzeuge von Thomas Cook: Angeblich stehen sechs Flugzeuge auf der Streichliste
Foto: Alexander Hassenstein/ Getty ImagesLondon - Dramatische Entwicklung bei Thomas Cook: Europas zweitgrößter Reiseveranstalter musste am Dienstag einräumen, dass sich sowohl das Geschäft als auch die finanzielle Lage im Oktober verschlechtert hat. Das Unternehmen braucht offenbar von seinen Gläubigerbanken mehr Geld. Die Thomas Cook -Aktie verlor bis zum frühen Nachmittag rund 65 Prozent ihres Werts - der größte Tagesverlust überhaupt. Der Aktienkurs war zuvor in diesem Jahr bereits um rund 80 Prozent gesunken.
Der Konzern hatte zuvor erklärt, die Geschäfte in einigen Handelsbereichen seien zurückgegangen, und es gebe Probleme mit den Bargeldreserven. Es gehe aber keinesfalls darum, dass man die bestehenden Kredite nicht zurückzahlen könne. Vielmehr wolle man sich rüsten, falls die Lage weiterhin schwierig bleibe - wie für die Wintersaison traditionell zu erwarten. Deshalb habe der Konzern Verhandlungen mit den wichtigsten Banken über seine Kreditlinien aufgenommen. Die für diesen Donnerstag angesetzte Veröffentlichung von Jahresergebnissen wurde verschoben. Sie soll erst stattfinden, wenn die Gespräche beendet sind.
Der Konzern befürchtet offenbar, bei einer weiteren Verschlechterung seiner Lage die Kreditauflagen nicht mehr erfüllen zu können. Noch verstößt Thomas Cook eigenen Angaben zufolge aber nicht gegen die sogenannten Covenants. Darunter versteht man Bedingungen wie ein bestimmtes operatives Gewinnniveau, die der Schuldner erreichen muss. Gelingt dies nicht, haben die Banken das Recht, den Kredit sofort zu kündigen.
Das Unternehmen hatte bereits die Dividende streichen und mit seinen Banken Kreditkonditionen neu verhandeln müssen. Zudem gewährten die Geldgeber einen zusätzlichen kurzfristigen Kredit von 100 Millionen Pfund (116 Mio Euro). Wegen der Krise musste im August Vorstandschef Manny Fontenla-Novoa zurücktreten.
Das Unternehmen hatte zuletzt eine Serie von Gewinnwarnungen herausgegeben. Dafür machte Thomas Cook unter anderem die Unruhen in Nordafrika und die schwierige Wirtschaftslage in Großbritannien verantwortlich. Medienberichten zufolge plant der Veranstalter, in Großbritannien rund 200 Reisebüros zu schließen und sechs Flugzeuge aus dem Betrieb zu nehmen. Der Konzern geht jedoch davon aus, dass der operative Gewinn im Rahmen der früheren Geschäftsprognosen liegen wird. Thomas Cook ist in Deutschland mit Marken wie Neckermann, Air Marin, Bucher und Öger Tours vertreten.