US-Großbank in der Kritik Goldman Sachs trennt sich von Sexportal
Goldman-Logo an New Yorker Börse: "Unbehaglich mit der Richtung des Unternehmens"
Foto: Brendan Mcdermid / REUTERSHamburg - Wenn Goldman Sachs derzeit etwas nicht brauchen kann, dann ist es ein weiterer Skandal. Seitdem sich ein früherer Manager mit einem Brandbrief in der "New York Times" ("NYT") verabschiedete, stehen die Geschäftspraktiken der US-Großbank einmal mehr unter verschärfter Beobachtung.
Deshalb überrascht es wenig, dass ein Private-Equity-Fonds von Goldman nun eine umstrittene Investition beendete: GS Capital Partners III verkauft einen 16-Prozent Anteil am Verlag Village Voice Media. Dieser gibt nicht nur die alternative New Yorker Stadtzeitung "The Village Voice" heraus, sondern ist auch Besitzer der Internetseite Backpage.com. Ihr Geschäft: Sexanzeigen, die auch Prostitution fördern sollen.
Der Verkauf wurde am Wochenende bekanntgegeben. Eine Sprecherin sagte, der Fonds habe seit März mit Village Voice Media verhandelt. Schon seit 2010 sei den Investoren aber "unbehaglich mit der Richtung des Unternehmens" gewesen. Goldman habe über den Fonds 30 Millionen Dollar in die Firma gesteckt, der "weitaus größte Teil" dieser Investition sei nun verloren.
Hinter dem überhasteten Verkauf soll die Berichterstattung der "New York Times" stecken, welche kürzlich auch die harsche Kritik des scheidenden Goldman-Managers Greg Smith veröffentlichte. "NYT"-Kolumnist Nicholas Kristof hatte am Samstag über die Verbindung von Goldman zum Sexgeschäft geschrieben. Die Bank sei angesichts seiner Recherchen beschämt gewesen, schrieb Kristof, und habe "fieberhaft daran gearbeitet, ihre Anteil zu verkaufen".
Kritiker wie Kristof werfen Village Voice Media vor, über Backpage.com werde Menschenhandel und die Prostitution von Minderjährigen ermöglicht. Der Verlag weist die Kritik zurück; die Seite kooperiere umfassend mit den Strafverfolgungsbehörden. Prostitution ist in den USA nahezu komplett illegal, das Schalten von Sexanzeigen ist jedoch erlaubt.