Google bekommt nach Panne bei Geschäftszahlen schlechteres Rating - DER SPIEGEL
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Verpatzte Geschäftszahlen Analysten verpassen Google schlechteres Rating

Google ist nach seiner verpatzten Quartalsbilanz von Analysten herabgestuft worden: Erstmals seit sechs Jahren senkte die Bank of America ihr Rating für den Konzern. Dessen Geschäftszahlen kamen zu früh - und dann waren sie auch noch schlecht. Google-Chef Page mühte sich um Schadensbegrenzung.
Google-Schriftzug auf einem Messestand: Beschwichtigungsversuche vom Chef
Google-Schriftzug auf einem Messestand: Beschwichtigungsversuche vom Chef

Google-Schriftzug auf einem Messestand: Beschwichtigungsversuche vom Chef

Foto: dapd
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New York - Ausgerechnet der Technologie-Konzern Google hat bei der Veröffentlichung seiner Quartalsbilanz eine peinliche Panne hingelegt und noch dazu mit enttäuschenden Zahlen die Börsianer verschreckt. Nur wenige Stunden später bekam das Unternehmen die Quittung: Die Bank of America hat ihr Rating für die Aktie des Internet-Riesen erstmals seit sechs Jahren gesenkt. Die Analysten von Bank of America Merrill Lynch stuften ihre Empfehlung von "Kaufen" auf "Halten" ab.

Angesichts der Risiken für das Google-Werbegeschäft bei immer stärkerer Nutzung mobiler Geräte wie Smartphones und Tablets sei Vorsicht geboten, schrieben sie am Freitag. Das Kursziel für die Google  -Aktie kappte die Bank von 790 auf 745 Dollar.

Google hatte seine Geschäftszahlen am Donnerstag versehentlich Stunden zu früh veröffentlicht. Zudem fielen sie auch noch viel schlechter aus als erwartet. Der Überschuss sank im dritten Quartal um 20 Prozent. Massiv gestiegene Kosten - etwa durch den Kauf des Handyherstellers Motorola   - ließen den Gewinn schmelzen. Hinzu kommt, dass Google weniger Geld pro Klick von seinen Werbekunden einnehmen konnte.

Die neuen Geschäftszahlen waren noch während des laufenden US-Börsenhandels veröffentlicht worden. Üblich ist, dass die Zwischenbilanz nach dem Ende des regulären Handels an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq um 22.00 Uhr deutscher Zeit mitgeteilt wird, damit jeder Anleger die Zeit hat, sich in das umfangreiche Zahlenwerk zu vertiefen.

Google-Aktie erholt sich wieder leicht

Zuerst herrschte Verwirrung, dann stießen die Aktienhändler in großem Stil Papiere des Konzerns ab. Die Aktie verlor zeitweise mehr als zehn Prozent, Milliarden an Börsenwert wurden vernichtet. Zwischenzeitlich wurde der Handel auf Wunsch von Google sogar gestoppt. Am Ende des Handelstages stand ein Minus von gut acht Prozent. Das waren gut 60 Dollar pro Anteilsschein weniger. Google war auf einen Schlag 20 Milliarden Dollar weniger wert, der Erzrivale Microsoft   liegt beim Börsenwert wieder deutlich vorn.

Am Freitag erholte sich die Google-Aktie dann etwas und legte um 1,6 Prozent zu. Es werde dauern, bis das Vertrauen der Investoren wiederhergestellt sei, sagte Peter Cardillo von Rockwell Global Capital. Für eher schlechte Stimmung an der Börse sorgten zudem enttäuschende Bilanzen von Microsoft und General Electric  .

Die Schuld für die Veröffentlichungspanne bei Google liegt offensichtlich beim Dienstleister R.R. Donnelley, der einen unfertigen Quartalsbericht herausgegeben hatte. Ursache sei vermutlich menschliches Versagen gewesen, sagte der Chef der Firma, Tom Quinlan, dem "Wall Street Journal".

Google-Chef verspricht mehr Geld durch neue Technologien

Google-Chef Larry Page entschuldigte sich während einer Telefonkonferenz für die Panne. Er sprach noch leise, langsam und mit einiger Mühe. Es war sein zweiter Auftritt nach mehrmonatiger Abwesenheit. Dem Konzern zufolge hatte er seine Stimme verloren.

Page betonte, dass Google den Smartphone-Markt mit dem Betriebssystem Android dominiert und auf verschiedensten Geräten erfolgreich sein will. Doch der Rückgang der Google-Einnahmen pro Klick auf eine Werbeanzeige um 15 Prozent schockierte die Anleger - denn das ist das Geld, mit dem der Konzern nach wie vor den Großteil seines Geschäfts bestreitet. Dass die Zahl der Anzeigen-Klicks, die Google Geld brachten, insgesamt um ein Drittel zulegte, fiel da nicht mehr ins Gewicht. Der Grund für den Rendite-Knick ist der Boom der Smartphones und Tablet-Computer, auf denen die Anzeigen-Tarife auch angesichts der kleineren Bildschirme niedriger sind.

Page versprach, neue Technologien würden es dem Konzern erlauben, auch mit Anzeigen auf Smartphones und Tablets mehr Geld zu verdienen. Und damit werde sich auch die große Nutzer-Basis auszahlen. Inzwischen seien rund eine halbe Milliarde Android-Geräte im Umlauf, jeden Tag würden 1,3 Millionen weitere aktiviert. Das Tempo steigt: Noch vor wenigen Tagen hatte Google von 1,2 Millionen Aktivierungen gesprochen.

Doch dem Konzern ist es noch nicht gelungen, die Stärke von Android bei Smartphones auch in den Markt der Tablet-Computer zu übertragen - dort ist das iPad von Apple nach wie vor das Maß der Dinge, auch wenn Google mit neuen Geräten wie dem Nexus 7 besser dagegenhalten kann.

mmq/dpa-AFX/Reuters