Inflation frisst Lohnzuwächse auf - DER SPIEGEL
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Tarifbeschäftigte Inflation macht Lohnzuwächse zunichte

Trotz höherer Löhne haben Tarifbeschäftigte in Deutschland nicht mehr Geld zur Verfügung. Grund ist laut Statistikern die steigende Inflation. Nur bestimmte Berufsgruppen bilden eine Ausnahme.
Foto: Markus Scholz/ picture alliance / Markus Scholz
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Die rund 17 Millionen Tarifbeschäftigten in Deutschland haben trotz deutlich steigender Löhne unterm Strich nicht mehr Geld auf dem Konto. Im zweiten Quartal stiegen ihre Durchschnittsverdienste gemessen am Vorjahreszeitraum zwar um 2,0 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt mit. Zugleich kletterte aber auch die Inflation auf 2,0 Prozent, was die Lohnzuwächse auffrisst.

Im ersten Quartal hatten die Tarifverdienste mit plus 2,5 Prozent noch stärker zugelegt als die Verbraucherpreise (1,6 Prozent). Steigende Kosten für Heizöl, Sprit und Nahrungsmittel haben jedoch die Inflation zuletzt binnen Jahresfrist hochgetrieben. Im Juli lag die Teuerungsrate bei 2,0 Prozent, der dritte Monat in Folge mit einer zwei vor dem Komma.

Allerdings wurden nicht bei allen Tarifbeschäftigten die Gehaltszuwächse von der Inflation zunichte gemacht: Im Baugewerbe (plus 5,1 Prozent), in der Industrie (3,7) sowie im Handel und Gastgewerbe (je 3,3) blieb Angestellten mehr in der Tasche.

Deutlich geringere Zuwächse gab es im Bereich der Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung (0,9 Prozent), bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern (0,8 Prozent) sowie im Bereich Kunst, Unterhaltung und Erholung (0,6 Prozent). Grund für den geringen Anstieg der Tarifverdienste im öffentlichen Bereich sei, dass die im April vereinbarten Tariferhöhungen beim Bund und den Gemeinden bisher noch nicht ausgezahlt wurden, erklärten die Statistiker.

Dass die Inflation die Lohnzuwächse der Tarifbeschäftigten aufzehrt, ist laut der Statistiker auf mittlere Sicht aber eher die Ausnahme. Im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs steigen die Verdienste seit Jahren stärker als die Verbraucherpreise. "Vor allem seit 2013 sehen wir kräftige reale Zuwächse", schrieb die Behörde. Nur Ende 2017 seien die Tarifverdienste hinter der Teuerung zurückgeblieben.

Grundsätzlich profitieren jedoch immer weniger Bundesbürger von Tarifverträgen. Wurden 1996 laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 70 Prozent aller westdeutschen Beschäftigten nach Branchentarifverträgen entlohnt, waren es 2017 nur 49 Prozent. Im Osten sank der Anteil von 56 auf 34 Prozent. Gerade in der Dienstleistungsbranche gibt es den Experten zufolge viele kleine Firmen, in denen Gewerkschaften und Tarifverträge keine große Rolle spielen.

Konsumlaune der Deutschen trübt sich leicht ein

Zuletzt hatten offenbar viele Verbraucher das Gefühl, weniger Geld zur Verfügung zu haben. Die Kauflaune der Deutschen ist zwar noch immer sehr gut, doch sie trübt sich leicht ein. Als mögliche Gründe nennt das Marktforschungsinstitut GfK höhere Energiepreise und die anhaltend niedrigen Zinsen.

Beide Faktoren zusammen seien für die Konsumenten keine gute Nachricht, weil ihre Ersparnisse an Wert verlören und ihnen weniger für andere Anschaffungen bleibe, sagte Konsumforscher Rolf Bürkl. So habe die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen etwas nachgelassen.

Der von den GfK-Experten ermittelte Konsumklima-Index für September fiel um 0,1 auf 10,5 Zähler und damit auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. "Trotz des zweiten Rückgangs in Folge gehen die Verbraucher aber nach wie vor davon aus, dass die gute Konsumkonjunktur erhalten bleibt, wenn auch die Dynamik möglicherweise etwas nachlassen könnte", sagte Bürkl.

Die Marktforscher befragten für den Index monatlich 2000 Verbraucher. Das Konsumklima bezieht sich nicht nur auf die Ausgaben im Einzelhandel, sondern umfasst auch Mieten, Reisen und Gesundheit.

Der private Konsum dürfte in diesem Jahr um real 1,5 Prozent zulegen, bekräftigte die GfK ihre Prognose. "Es ist davon auszugehen, dass wir in diesem Jahr eine stabile Konsumkonjunktur haben werden - vor allem vor dem Hintergrund der stabilen Arbeitsmarktverhältnisse", hieß es. Die wenigsten Beschäftigen hätten Angst, ihren Job zu verlieren. Trotz des Handelskonflikts mit den USA sowie anziehender Energiepreise sähen die Verbraucher die Wirtschaft auf einem soliden Wachstumskurs.

mmq/dpa/Reuters