Internationale Energieagentur (IEA) sieht Atomkraft vor weltweitem Comeback - DER SPIEGEL
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Anhaltend steigender Strombedarf Internationale Energieagentur sieht Atomkraft vor weltweitem Comeback

Die Energieagentur prognostiziert eine Renaissance der Kernkraft international. In Deutschland müssen sich Kanzler Scholz und Wirtschaftsminister Habeck nun in einem Untersuchungsausschuss Fragen zum Atomausstieg stellen.
Kernkraftwerk Cruas an der Rhone
Kernkraftwerk Cruas an der Rhone

Kernkraftwerk Cruas an der Rhone

Foto: Antoine Boureau / Hans Lucas / picture alliance

Der Strombedarf steigt enorm, deshalb steht die Kernenergie nach einer Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) vor einem weltweiten Comeback. Das Interesse an der Kernenergie sei so groß wie seit der Ölkrise in den Siebzigerjahren nicht mehr. Mehr als 40 Länder strebten nach einem Ausbau der Kernenergie, teilte die Organisation in Paris mit .

Zum Anstieg des Elektrizitätsbedarfs komme es nicht nur in klassischen Sektoren wie der Industrie, sondern auch in neuen Bereichen wie dem Betrieb von Elektroautos und Datenzentren sowie der Nutzung künstlicher Intelligenz. Die Stromerzeugung aus der weltweiten Flotte von fast 420 Reaktoren werde 2025 einen neuen Höchststand erreichen, so die IEA.

Auch wenn einige Länder wie Deutschland aus der Kernenergie ausstiegen oder ihre Anlagen vorzeitig stilllegten, steige die weltweite Stromerzeugung aus Kernkraftwerken. Japan nehme die Produktion wieder auf, in Frankreich seien die Wartungsarbeiten an AKW abgeschlossen und neue Reaktoren unter anderem in China, Indien, Korea und Europa gingen in Betrieb. Die Kernenergie mache knapp zehn Prozent der weltweiten Stromerzeugung aus.

Streit über grüne Prüfung von längeren Laufzeiten

In Deutschland läuft derzeit ein Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Atomausstieg. Im Laufe des Tages stehen die letzten und womöglich entscheidenden Zeugenbefragungen an. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) müssen sich den Fragen der Abgeordneten zu den Hintergründen der umstrittenen Entscheidungen stellen, die dem deutschen Atomausstieg im April 2023 vorausgingen.

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Wegen der Energiekrise durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine waren die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland ein paar Monate länger als ursprünglich geplant am Netz geblieben. Der Ausstieg verschob sich vom 31. Dezember 2022 auf den 15. April 2023.

Vor allem die Union wirft den Grünen vor, den Weiterbetrieb von Kernkraftwerken nicht »ergebnisoffen« und »unvoreingenommen« geprüft, sondern aus ideologischen Gründen entschieden zu haben. Habecks Parteifreundin und Kabinettskollegin Steffi Lemke wies den Vorwurf bereits am Mittwoch entschieden zurück. Sie verwies auf eine gemeinsame Prüfung von Wirtschafts- und Umweltministerium aus dem Frühjahr 2022, wonach eine Verlängerung der Laufzeiten nur einen »sehr begrenzten Beitrag zur Lösung des Problems leisten könnte, und dies zu sehr hohen wirtschaftlichen Kosten, verfassungsrechtlichen und sicherheitstechnischen Risiken«.

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte dagegen den Kurs der Grünen-Ministerien. Dort sei die Bereitschaft zu undogmatischen Entscheidungen bei der Frage der Kernenergie an Grenzen gestoßen. Die Fraktion habe »identitätspolitisch« auf die Frage der Kernenergie geschaut. Im Finanzministerium seien die Zweifel gewachsen, dass es sich um eine vollumfängliche ergebnisoffene Prüfung gehandelt habe.

Energieagentur warnt vor Atomrisiken

Dem Strommangel mit Kernenergie begegnen zu wollen, birgt laut IEA allerdings auch Risiken – auch unabhängig von der weltweit weitgehend noch ungeklärten Endlagerfrage. So stütze sich der Ausbau stark auf chinesische und russische Technik und Ressourcen wie Uran, was das Risiko künftiger Abhängigkeiten beinhalte, warnt die IEA. China lege erheblich zu, während klassische Atomstromländer wie die USA und Frankreich mit Verzögerungen und Kostensteigerungen bei der Modernisierung ihrer AKW kämpften.

Auch wenn die Kernkraft sich klassischerweise auf eine staatliche Finanzierung stütze, seien für einen schnellen Ausbau der Kernenergie zusätzlich auch private Investoren nötig, erklärte die IEA. Ein schneller Ausbau bedeute, dass sich die Investitionen in Kernkraft bis 2030 weltweit auf rund 117 Milliarden Euro verdoppeln müssten.

apr/dpa