Geplante Förderoffensive Iran droht Opec mit Preiskrieg
Iranischer Öltanker: Pompöse Förderpläne
Foto: ATTA KENARE/ AFPWien - Ein endgültiger Kompromiss zum Stopp des iranischen Atomwaffenprogramms ist noch nicht ausgehandelt. Doch das Auftreten von Irans Ölminister Bijan Zangeneh auf der halbjährlichen Sitzung der Opec lässt erahnen, wie sich die Kräftegewichte im Nahen Osten verschieben könnten, wenn eine Einigung zustande kommen sollte.
In der Hoffnung auf eine baldige Lockerung internationaler Energiesanktionen trifft Iran bereits Vorbereitungen für eine Rückkehr westlicher Ölkonzerne - und nimmt dabei nicht gerade viel Rücksicht auf seine Partner im Opec-Kartell.
Am Mittwoch nannte Ölminister Bijan Zangeneh sieben Unternehmen, die er gerne im Land hätte, sobald die Strafmaßnahmen gegen den Energiesektor aufgehoben würden. Außer den europäischen Konzernen Total, Royal Dutch Shell, Eni, Statoil und BP waren dies die US-Branchenriesen Exxon Mobil und ConocoPhillips. Mit einigen Firmen führe er bereits Gespräche, sagte er.
Sein erklärtes Ziel sei es, die Ölproduktion im kommenden Jahr wieder auf mehr als vier Millionen Barrel pro Tag zu steigern (ein Barrel entspricht 159 Litern). Iran verfügt über die viertgrößten nachgewiesenen Ölreserven weltweit und über die größten belegten Erdgasreserven. Doch seit der Verhängung verschärfter Sanktionen im Jahr 2012 samt eines Ölembargos sind ausländische Investitionen zum Erliegen gekommen. Die tägliche Produktionsmenge sank von 4,3 Millionen Barrel im Jahr 2011 auf zuletzt 2,65 Millionen Barrel.
Vorgeschmack auf eine mögliche weltpolitische Zäsur
Im vergangenen Monat deutete sich jedoch Entspannung in dem Atomstreit ab. Die fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und Deutschland einigten sich mit Iran auf ein Zwischenabkommen mit dem Ziel, binnen sechs Monaten eine endgültige Einigung zu erzielen. Sollte dies gelingen, könnte dies eine baldige Aufhebung der Ölsanktionen nach sich ziehen.
Er beharre dann auf sein Recht, die Förderung zu steigern, sagte Zangeneh laut "Financial Times" . "Unter allen Umständen werden wir vier Millionen Barrel erreichen, selbst wenn der Ölpreis dadurch auf 20 Dollar pro Barrel fällt", habe er in seiner Landessprache Farsi vor Journalisten gesagt. Andere Opec-Länder müssten ihre Produktion herunterfahren, wenn das Kartell den Preis stabil halten wolle.
Nun ist ein solch heftiger Preissturz nicht zu erwarten. Der Ölpreis lag seit der vergangenen Sitzung im Mai bei durchschnittlich mehr als 105 Dollar pro Barrel. Auch muss Iran zum Ausweiten seiner Fördermenge erst zahlreiche technische, ökonomische und politische Probleme überwinden. Dennoch gibt das harsche Auftreten des iranischen Ölministers einen Vorgeschmack auf eine mögliche weltpolitische Zäsur. Mit dem Genfer Abkommen zu Irans Atomprogramm kündigt sich die Verwandlung Irans vom Paria zum möglichen Partner der USA und Europas an. Und damit verbunden: der vermutliche Abstieg von Mächten wie Saudi-Arabien, das bislang Garant für die globale Ölversorgung war.
Kraftloses Kartell
Auch das Öl-Kartell Opec verliert aus mehreren Gründen Einfluss. Die Selbstversorgung der westlichen Welt steigt, unter anderem durch durch den Schieferölboom in den USA, den Ausbau alternativer Energien und wachsende Energieeffizienz.
Zudem wachsen die Spannungen in der Opec. Außer Iran droht noch ein zweites Mitgliedsland, seine eigenen Interessen über die des Kollektivs zu stellen. Der Irak will sich, obwohl al-Qaida gerade im Land einen neuen Bürgerkrieg entfacht, zur neuen Öl-Supermacht aufschwingen. Laut Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA) soll die Produktion bis 2020 auf rund 6,1 Millionen Barrel pro Tag steigen, bis 2035 gar auf 8,3 Millionen Barrel.
Die Opec selbst müht sich, ihre internen Spannungen kleinzureden. Der Markt sei stabil, hieß es in einem Statement des Kartells. Das Wachstum der Weltwirtschaft werde sich beschleunigen, der Ölbedarf der Welt werde steigen.