DRK: Jedes sechste Krankenhaus des Roten Kreuzes insolvent - DER SPIEGEL
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Dramatische Lage geschildert Jedes sechste Krankenhaus des Roten Kreuzes insolvent

Die Finanzen vieler Krankenhäuser sind äußerst angespannt. Durch die Klinikreform drohen laut Vertretern weitere Einschnitte. Die DRK-Präsidentin sieht ihre Häuser besonders in Gefahr, der Verbandschef warnt vor »Wartelistenmedizin«.
DRK-Krankenhaus im Westerwald: Trägergesellschaft von Insolvenz betroffen
DRK-Krankenhaus im Westerwald: Trägergesellschaft von Insolvenz betroffen

DRK-Krankenhaus im Westerwald: Trägergesellschaft von Insolvenz betroffen

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Thomas Frey / picture alliance / dpa

Fast jedes sechste Krankenhaus in Trägerschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ist insolvent. Wie DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt der »Neuen Osnabrücker Zeitung « sagte, sind fünf Standorte in Rheinland-Pfalz und einer in Hessen betroffen.

38 Krankenhäuser betreibt das DRK demnach insgesamt. Es ist verglichen mit anderen Unternehmen noch ein eher kleiner Krankenhausbetreiber. Die Krise trifft nicht das DRK allein. »Die Lage der deutschen Krankenhäuser ist so dramatisch wie noch nie«, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, der »Augsburger Allgemeinen «. »Abteilungen werden geschlossen, Personal wird eingespart, Standorte werden aufgegeben.« Besonders seien es jedoch die kleineren Häuser in ländlichen Regionen unter 300 Betten, die ihre Lage als »besonders pessimistisch« schilderten.

Drei Stunden Bürokratie pro Tag beklagt

Beim DRK hätten in Bayern und Baden-Württemberg im vergangenen Jahr jeweils ein Krankenhaus schließen müssen, sagte DRK-Präsidentin Hasselfeldt. Die finanzielle Lage sei vielerorts schwierig. Sie kritisierte, dass es bei der Krankenhausreform keine ausreichende finanzielle Übergangsregelung gegeben habe. »Nicht einmal Kostensteigerungen aus der Inflation werden abgedeckt«, sagte Hasselfeldt. Sie befürchte, dass in den kommenden Jahren noch viele weitere Krankenhäuser von freien gemeinnützigen Trägern wie dem DRK in die Zahlungsunfähigkeit rutschen werden.

Für die zunehmend schwierige Finanzlage vieler Klinken verantwortlich ist auch die Krankenhausreform von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Sie war vergangenes Jahr beschlossen worden. Sie sieht unter anderem eine stärkere Spezialisierung der Kliniken und eine teilweise Abkehr von der Finanzierung über Fallpauschalen vor. Der SPD-Politiker will damit die Behandlungsqualität in den Kliniken verbessern und ein unkontrolliertes Krankenhaussterben wegen finanzieller Probleme verhindern. Die Reform nimmt allerdings in Kauf, dass es künftig weniger Krankenhäuser gibt und Patienten teilweise längere Wege zurücklegen müssen.

»Ausgerechnet den Häusern, die strikt gemeinwohlorientiert sind, droht als Erstes das Aus«, kritisierte Hasselfeldt. Denn die freien Träger müssten Überschüsse direkt wieder einsetzen und könnten nur begrenzt Rücklagen bilden. Privat und kommunal geführte Häuser hätten da mehr Sicherheit, sagte sie.

DRK-Präsidentin Hasselfeldt

DRK-Präsidentin Hasselfeldt

Foto: Frank Ossenbrink / IMAGO

Klinikverbandschef Gaß warnte in der »Augsburger Allgemeinen«, dass viele Krankenhäuser nun »knallhart« betriebswirtschaftlich kalkulieren müssten und große Verlustbringer abstoßen würden. Das habe Folgen für viele Patienten. »Für die Bevölkerung bedeutet diese Politik in vielen Regionen eine schlechtere Versorgung in ihrer Nähe«, sagte Gaß. Man erlebe »bereits jetzt den Beginn der Wartelistenmedizin«.

Eine große Belastung für das Personal sei die Bürokratie, kritisierte Gaß. Im Schnitt müssten Ärzte und Pflegekräfte pro Tag drei Stunden für bürokratische Vorgaben aufbringen.

apr/AFP