Josef Ackermann: Deutscher Dauerbanker - DER SPIEGEL
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Josef Ackermann Deutscher Dauerbanker

Josef Ackermann kann einfach nicht loslassen. Eigentlich wollte er sich schon 2010 aus der Deutschen Bank verabschieden, dann spätestens 2013. Nun sieht es so aus, als würde der Schweizer noch viele Jahre die Geschicke des einflussreichen Konzerns lenken - als mächtiger Aufsichtsratschef. Warum nur?
Bankchef Josef Ackermann: Der Schweizer hat sich im Machtkampf durchgesetzt
Bankchef Josef Ackermann: Der Schweizer hat sich im Machtkampf durchgesetzt

Bankchef Josef Ackermann: Der Schweizer hat sich im Machtkampf durchgesetzt

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Er wolle nach dem Ende seiner Bankkarriere "vielleicht etwas Karitatives machen", hat Josef Ackermann einmal gesagt. Das war 2007. Damals gingen alle Zuhörer noch davon aus, dass dieses Ende im Mai 2010 kommen würde. So hatte der Chef der Deutschen Bank   es immer angekündigt.

Dass er 2011 noch immer an der Spitze des wohl wichtigsten deutschen Unternehmens steht, hat Insidern zufolge viel mit Angst zu tun: Er sorgt sich um sein Erbe. Ackermann wolle die Kontrolle darüber behalten, was mit der Bank passiert, heißt es. Deshalb habe er sich schon 2009 nicht lange bitten lassen, als der Aufsichtsrat ihn fragte, ob er seinen Vertrag als Vorstandschef doch noch einmal verlängern möchte. Und deshalb wolle er sich nun auch an die Spitze des Aufsichtsrats wählen lassen.

"Für die Bank ist es gut, dass Ackermann bleibt", sagt einer, der ihn kennt. "Aber es sieht schon so aus, als könne er nicht loslassen." Bis vor kurzem hatte Ackermann stets betont, ein Wechsel in das Kontrollgremium stehe für ihn nicht zur Debatte. Nun kommt alles anders.

Nach einem monatelangen Machtkampf hatte der Aufsichtsrat der Deutschen Bank am Montagabend einen Kompromiss beschlossen, wonach Ackermann nach der nächsten Hauptversammlung im Mai 2012 vom Vorstands- auf den Aufsichtsratsvorsitz wechseln soll. Ackermanns Konkurrent, der jetzige Aufsichtsratschef Clemens Börsig, muss dafür zwar seinen Posten räumen - bekommt im Gegenzug aber seine Wunschkandidaten für den Vorstandsvorsitz: den Inder Anshu Jain und den Niedersachsen Jürgen Fitschen.

Ackermann will die Balance im Konzern erhalten

An Jain ging kaum ein Weg vorbei. Der Chef der Investmentbanking-Sparte war in den vergangenen Jahren so erfolgreich, dass er einen fast schon natürlichen Anspruch auf den Chefposten hatte. Ackermann allerdings hätte Jain gerne einen anderen Kompagnon zur Seite gestellt: einen jüngeren als den 62-jährigen Fitschen, vielleicht auch einen stärkeren. Er favorisierte den ehemaligen Bundeschef Axel Weber oder einen der beiden Deutsche-Bank-Vorstände Hugo Bänziger und Rainer Neske.

Mit der Spitze Jain/Fitschen dagegen sieht Ackermann offenbar sein Erbe in Gefahr. Erst recht, wenn Fitschen, der im September 63 wird, wie erwartet in zwei oder drei Jahren aufhört. Dann, so die Befürchtung, könnte die Machtbalance innerhalb der Bank zugunsten des Investmentbankings kippen.

Ackermanns großes Verdienst war es, dass er die Interessen innerhalb der Bank stets austariert hat. London versus Frankfurt, Investmentbanking versus klassisches Kreditgeschäft - Ackermann stand stets für den Ausgleich zwischen den beiden Polen. Um das traditionelle Deutschlandgeschäft zu stärken, kaufte er sogar für viel Geld das Kleine-Leute-Institut Postbank hinzu.

Als künftiger Aufsichtsratschef kann er nun dafür sorgen, dass diese Balance auch langfristig erhalten bleibt. Und vor allem kann er in ein paar Jahren womöglich einen eigenen Favoriten als Nachfolger für Fitschen installieren.

Experten erwarten denn auch, dass Ackermann seine künftige Rolle äußerst aktiv ausfüllen wird. Ob Ackermann nun der dritte Co-Chef neben Jain und Fitschen werde, fragte ein Analyst Finanzchef Stefan Krause am Dienstag. Der antwortete vielsagend schwammig: "Das müssen Sie den Aufsichtsrat fragen." Der hatte die Personalrochade schließlich beschlossen - obwohl sie gegen die Prinzipien guter Unternehmensführung ("Corporate Governance") verstößt.

In der Tat verbietet nicht nur der freiwillige Corporate-Governance-Index der deutschen Wirtschaft einen sofortigen Wechsel von der Vorstands- an die Aufsichtsratsspitze. Auch das deutsche Aktienrecht sieht für solche Wechselmanöver grundsätzlich eine Karenzzeit von zwei Jahren vor. Der Gedanke dahinter: Aufsichtsräte, die direkt aus dem Vorstand kommen, nehmen es mit der Kontrolle eben dieses Vorstands womöglich nicht ganz so genau wie unabhängige Kandidaten. Zudem neigen sie dazu, den neuen Chefs aus der Kontrolleursposition heraus in die tägliche Arbeit hineinzuregieren.

Ebendies befürchten viele Experten nun auch im Fall der Deutschen Bank. Im "Handelsblatt" stellt der Münchener Wirtschaftsprofessor Manuel Theisen Ackermanns künftige Rolle als die eines "absoluten Monarchen" dar, der die Bank nach Belieben beherrschen kann.

Ein rechtlicher Kniff soll den Wechsel möglich machen

Etwas nüchterner betrachten Aktionärsvertreter die Personalentscheidung. "Josef Ackermann hat für die Deutsche Bank große Leistungen erbracht", sagt Jella Benner-Heinacher, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Insofern sei eine Ausnahme von den strengen Corporate-Governance-Regeln durchaus vertretbar. Nach ihrer Meinung sollte Ackermann allerdings nur als einfaches Mitglied in den Aufsichtsrat wechseln und nicht als dessen Vorsitzender. "Das ist eine sehr dominante Position", kritisiert Benner-Heinacher. "Als Aufsichtsratschef kann ein ehemaliger Vorstandsvorsitzender dafür sorgen, dass seine alte Strategie weiterverfolgt wird."

Genau so könnte es bei der Deutschen Bank laufen, befürchten die Kritiker. Das Unternehmen zeigt sich von den Bedenken wenig beeindruckt. Mit einem rechtlichen Kniff will man das Wechselverbot umgehen: Das Gesetz sieht nämlich eine Ausnahme vor, wenn der Aufsichtsratskandidat von Aktionären vorgeschlagen wird, die gemeinsam mehr als 25 Prozent der Stimmrechte halten. Gelingt der Coup, könnte Ackermann noch ein paar Jahre den heimlichen Chef geben. Zeit für etwas Karitatives hätte er danach ja immer noch genug.

Mit Material von Reuters