Karstadt-Betriebsrat will tarifliche Lohnerhöhungen durchsetzen - DER SPIEGEL
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Ausstieg aus Tarifvertrag Karstadt-Betriebsrat will Lohnerhöhungen erzwingen

Der Betriebsrat von Karstadt will den Ausstieg der Warenhauskette aus dem Flächentarifvertrag nicht hinnehmen. Die Arbeitnehmervertreter wollen den kriselnden Konzern zu ähnlichen Lohnsteigerungen wie im Rest der Branche zwingen.
Eingang zur Karstadt-Zentrale in Essen: Betriebsrat kündigt Widerstand an
Eingang zur Karstadt-Zentrale in Essen: Betriebsrat kündigt Widerstand an

Eingang zur Karstadt-Zentrale in Essen: Betriebsrat kündigt Widerstand an

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa
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Düsseldorf/Essen - Karstadt will an den Beschäftigten sparen - doch die wehren sich dagegen. Trotz des Ausstiegs des Essener Warenhauskonzerns aus der Tarifbindung will der Betriebsrat Lohnerhöhungen für die Mitarbeiter durchsetzen. "Unser Ziel ist es, gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi dafür zu sorgen, dass die Beschäftigten an Lohnsteigerungen partizipieren können. Ein Weg könnten sogenannte Anerkennungstarifverträge auf Landesebene sein", sagte Gesamtbetriebsratschef Hellmut Patzelt der "WAZ"-Mediengruppe.

Erst in der vorigen Woche hatte Karstadt angekündigt, bis 2015 aus der Tarifbindung auszusteigen. Mögliche Lohnerhöhungen aus der aktuellen Tarifrunde in der Branche könnten somit an den rund 20.000 Karstadt-Beschäftigten vorbeigehen.

"Das letzte Wort in der Sache ist noch nicht gesprochen", sagte Patzelt dazu. Natürlich seien viele Kollegen verärgert. "Die Beschäftigten von Karstadt haben in den vergangenen Jahren auf viel Geld verzichtet, um das Unternehmen zu stützen. Die Karstadt-Mitarbeiter sind die Helden der vergangenen Jahre. Insofern haben sie sich ordentliche Einkommen und sichere Jobs mehr als verdient", sagte Patzelt.

Warnstreik in Hessen

Auch Ver.di forderte Karstadt auf, die Tarifvereinbarungen in der Branche anzuerkennen. Den Aufruf zu Verhandlungen darüber habe das Management für Hessen und Nordrhein-Westfalen allerdings bereits abgelehnt. Daher könne es nun zu Arbeitsniederlegungen kommen.

In Hessen kam es bereits dazu: Für die Beschäftigten der Karstadt Warenhaus GmbH Main-Taunus-Zentrum hatte die Gewerkschaft für Dienstag zu einem befristeten Warnstreik aufgerufen. "Der Warnstreik ist nur der Auftakt für Ver.di, um Karstadt wieder in die Tarifbindung zu zwingen", sagte Streikleiter Wolfgang Thurner.

Zudem fordert die Gewerkschaft von Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen Geld für eine Sanierung. "Eigentum verpflichtet", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft am Dienstag. Berggruen müsse einen finanziellen Beitrag leisten, schließlich habe die Belegschaft seit 2004 bereits einen in Höhe von mehr als 650 Millionen Euro erbracht.

Karstadt hatte 2009 Insolvenz angemeldet. Im Herbst 2010 hatte der Milliardär Berggruen den Warenhauskonzern übernommen. Doch die Geschäftslage bei Karstadt ist weiter extrem schlecht. Nach Informationen des SPIEGEL hat der Konzern seit dem Beginn des Geschäftsjahrs im Oktober 2012 bis Februar 2013 nur 1,3 Milliarden Euro Umsatz gemacht  - das sind fast zehn Prozent weniger als geplant und 136 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum.

fdi/dpa/Reuters