Katastrophenschutz BP-Konkurrenten gründen eigenes Notfallsystem
Von BP eingesetztes Gerät zur Bekämpfung der Ölpest: Eine Milliarde für künftige Notfälle
Foto: HO/ ReutersWashington - Die Ölindustrie fürchtet nach dem Desaster im Golf von Mexiko um künftige Aufträge und um ihr Image - und sorgt daher jetzt vor: Vier der größten Energiekonzerne der Welt haben sich zusammengeschlossen, um ähnliche Katastrophen besser zu bekämpfen. Die Firmen Exxon Mobil , Chevron , ConocoPhillips und Royal Dutch Shell kündigten an, eine Milliarde Dollar bereitzustellen, um ein gemeinsames Öl-Auffangsystem zu schaffen. Der britische Ölgigant BP ist nicht dabei.
Für das Vorhaben gründeten die vier Konzerne die Organisation Marine Well Containment Company. Das Notfallsystem soll aus mehreren Spezialschiffen und Unterwassergerät zur Verschließung von Ölquellen bestehen. Zudem soll die Technik es ermöglichen, 100.000 Barrel Öl täglich in maximal 3000 Metern Meerestiefe aufzufangen. Einsatzbereit soll das System binnen 18 Monaten sein.
Die BP- "Deepwater Horizon" war im April nach einer Explosion gesunken und hatte die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA ausgelöst. Bislang strömten Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge aus dem Bohrloch zwischen 2,3 und 4,5 Millionen Barrel Öl ins Meer. Umgerechnet sind das zwischen 366 und 715 Millionen Liter Rohöl.
US-Politiker kritisiert das Projekt als unzureichend
Nach mehrmals gescheiterten Versuchen hatte BP es erst vor wenigen Tagen geschafft, das Leck provisorisch zu stopfen. Die endgültige Schließung steht noch aus.
Doch die nun vorgestellte Technik der vier Konzerne orientiert sich ausgerechnet an der von BP - und löst damit Unmut bei der US-Politik aus. Der demokratische Kongressabgeordnete Ed Markey bezeichnete den Plan als unzureichend. Das neue System könne zwar dazu führen, dass künftig schneller auf Ölaustritte reagiert werden könne, sagte er. Die Ölkonzerne müssten aber den Anspruch haben, bessere Technik als die von BP bisher verwendete einzusetzen. Sie müssten insbesondere in Technologie investieren, "die verhängnisvolle Austritte von Anfang an verhindert".
Die Regierung von US-Präsident Barack Obama hatte Ende Mai unter dem Eindruck der Ölkatastrophe neue und auch bereits genehmigte Bohrvorhaben in Gewässern tiefer als 150 Meter für ein halbes Jahr stoppen lassen - doch die Industrie war gerichtlich dagegen vorgegangen, bislang mit Erfolg.