Keine Warnung vor Finanzkrise Interner Bericht watscht Währungsfonds ab
Dominique Strauss-Kahn: Der IWF-Präsident spricht von einem "demütigenden Fakt"
Foto: STEPHEN JAFFE/ REUTERSWashington - Die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wussten, dass sie die Finanzkrise genauso wenig vorhergesagt hatten wie die meisten anderen Ökonomen. Aber immerhin veranlasste die in Washington ansässige Organisation einen internen Untersuchungsbericht. Dieser kommt allerdings zu einem niederschmetternden Ergebnis: Der IWF hat bei der Einschätzung der weltweiten Finanzkrise massiv versagt.
Der IWF, dessen Aufgabe eigentlich die Beobachtung der globalen Ökonomie ist, habe in den Jahren vor dem Beinahe-Kollaps des weltweiten Finanzsystems nur "wenig klare Warnzeichen" abgegeben, heißt in dem Report, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.
Die unabhängige Untersuchungskommission macht "ernste Managementfehler" in den Reihen des Instituts für das Fiasko verantwortlich. Statt die riskante Kreditvergabe amerikanischer und europäischer Unternehmen kritisch unter die Lupe zu nehmen, habe der IWF ganz im Gegenteil darauf vertraut, dass die Praktiken der Finanzfirmen in Ordnung seien und sie die Krise allein in den Griff bekommen würden.
Es sei den Verantwortlichen beim IWF nicht gelungen, die Zusammenhänge zu erkennen. Abweichende, kritische Meinungen zu den Vorgängen, die zur schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg führten, seien innerhalb der UN-Sonderorganisation unbeachtet geblieben.
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gab in einer ersten Reaktion zu, dass die Unfähigkeit, vor der Krise zu warnen, ein "demütigender Fakt" sei. Das Institut habe aber bereits zahlreiche Schritte eingeleitet, um künftig besser handeln zu können. Auch die Koordination innerhalb des IWF werde verbessert. Es gebe aber noch mehr zu tun, gestand er ein.