Krisenkonzern Verbleib bei GM hätte Folgen für deutsche Opel-Standorte
Opel-Standort in Bochum: "Opel ist eine sehr wichtige Marke für GM"
Foto: Martin Meissner/ ASSOCIATED PRESSHamburg - Wenn General Motors seine deutsche Tochter Opel tatsächlich wie zuletzt spekuliert behält, würden voraussichtlich drei europäische Werke geschlossen werden. So steht es laut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Donnerstag in dem Sanierungsplan für Opel, den die Amerikaner bereits im Frühjahr 2009 ausgearbeitet haben. Betroffen wären die Fabriken in Eisenach, Bochum und Antwerpen.
Der Verwaltungsrat des US-Konzerns befasste sich am Mittwoch erneut mit den verschiedenen Zukunftsszenarien für Opel. Nach dem monatelangen Tauziehen um den angeschlagenen Autobauer hatte es vermehrt Hinweise gegeben, dass GM das deutsche Unternehmen doch halten wolle. Aus dem Umfeld des Unternehmens hieß es am Mittwochabend, für Donnerstag sei eine Pressekonferenz in Deutschland geplant. Opel-Unterhändler John Smith sei unterwegs nach Berlin, um mit der Opel-Treuhandgesellschaft zu reden.
Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster, der bislang vehement für einen Verkauf gewesen war,
sagte der Zeitschrift "Auto, Motor und Sport", der neue GM-Verwaltungsrat sei "offensichtlich der Auffassung, dass Opel doch eine sehr wichtige Marke für GM ist und Europa ein sehr wichtiger Markt".Von der Bundesregierung wird nach wie vor der Verkauf an den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna International bevorzugt. Zu den Überlegungen, Opel doch im Konzern zu belassen, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) der "FAZ", den im Mai gewährten Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro müsste GM mitsamt der 6,5 Prozent Zinsen, die man mit Opel vereinbart habe, zurückzahlen. Außerdem könne es die zweite Tranche der Überbrückung, zusätzliche 3 Milliarden Euro Bürgschaft, nicht für einen Schließungsplan in Deutschland geben.
Ähnlich äußerte sich SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, der den Erhalt der deutschen Opel-Standorte auch für den Fall fordert, dass der Autobauer bei GM bleibt. Es werde keine staatlichen Sanierungshilfen geben, falls deutsche Betriebsstätten sterben sollten, sagte Steinmeier am Mittwochabend auf einer Wahlkampfkundgebung in Wiesbaden.
Komplett-Verpfändung
Das staatliche Darlehen an GM ist nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagsausgabe) zu fast 100 Prozent an den Bund und die vier Bundesländer mit Opel-Standorten verpfändet. Besitztümer wie Fabriken und Grundstücke dienen als Sicherheit für den staatlichen Kredit.
Die "FAZ" berichtet zudem unter Berufung auf die hessische Landesregierung, dass GM allein bis Ende 2010 gut 4,1 Milliarden Euro bräuchte, falls die kränkelnde Tochter doch nicht verkauft wird. Sollte General Motors es dann nicht schaffen, den Kredit abzulösen, droht Opel die Insolvenz.
Regierungskreise bestätigten am Mittwochabend den Betrag von über 4 Milliarden Euro. CDU-Mittelstandspolitiker Michael Fuchs verwies unterdessen im ZDF auf eine KPMG-Studie, wonach die Kosten zur Rettung des deutschen Autobauers noch höher sein könnten. Die Summe könnte bei 6,1 Milliarden liegen, sagte der Bundestagsabgeordnete. "Das ist eine Größenordnung, mit der niemand gerechnet hat."