Kurssturz Unicredit kämpft mit Kapitalerhöhung
Unicredit-Zentrale in Mailand: Auch andere Banken brauchen mehr Geld
Foto: Luca Bruno/ APMailand - Federico Ghizzoni bemühte sich um Gelassenheit: Er sei "etwas überrascht" über die negative Reaktion des Marktes, sagte der Unicredit-Chef am Montag. Mit Blick auf die kommenden Wochen bleibe er aber zuversichtlich.
Zuvor war Italiens größte Bank erneut mit ihrer geplanten Kapitalerhöhung auf Schwierigkeiten gestoßen. Ein in der vergangenen Woche begonnener Kursverfall der Unicredit -Aktie setzte sich am ersten Tag der Rekapitalisierung fort: Das Papier sackte zeitweise um bis zu zwölf Prozent ab, die Bezugsrechte für das Papier sogar um 31 Prozent. Wegen des schnellen Kursrutsches wurden beide Papiere vorübergehend vom Handel ausgesetzt.
Händler und Analysten erklärten den Kursrutsch mit zwei Effekten: Investoren flöhen aus der Aktie, andere verkauften die Bezugsrechte in der Hoffnung, sich später günstiger wieder eindecken zu können. "Die Aktie wird nach und nach auf den Bezugspreis fallen", sagte Analyst Frederic Teschner von der französischen Bank Natixis.
Mit der Kapitalerhöhung versucht Unicredit die verschärften Vorschriften der Europäischen Bankenaufsicht zu erfüllen. Diese verlangt ab Mitte des Jahres eine Kernkapitalquote von neun Prozent. Anderen Großbanken stehen deshalb ebenfalls Kapitalerhöhungen bevor. In der vergangenen Woche lösten erste Nachrichten zu den Schwierigkeiten von Unicredit einen Kursrutsch bei deutschen Bank-Aktien aus. Papiere der Commerzbank verloren am Montag erneut 3,8 Prozent.
Das spanische Institut Santander konnte hingegen bereits Vollzug melden. Die größte Bank der Euro-Zone brachte fehlende 15,3 Milliarden Euro auf, ohne die Aktionäre um zusätzliches Kapital bitten zu müssen. Damit hat Santander nach eigenen Angaben bereits die geforderte Kernkapitalquote erreicht. Bis Mitte 2012 soll sie auf zehn Prozent steigen, bekräftigte das Institut.
Den größten Teil der Kapitallücke - der höchsten aller 70 europäischen Großbanken - schloss Santander mit einer 6,83 Milliarden Euro schweren Umtauschanleihe. Im Volumen von 1,94 Milliarden Euro wurden zudem Vorzugs- in Stammaktien getauscht, 1,66 Milliarden brachte eine in Aktien statt in bar ausgeschüttete Dividende und 4,89 Milliarden verdiente die Bank aus eigener Kraft.