Strikte Sanierung Lufthansa will 700 Arbeitsplätze streichen
Zwei Angestellte in der Lufthansa First Class Lounge: Die Airline streicht 700 Arbeitsplätze
Foto: Frank Rumpenhorst/ picture-alliance/ dpaFrankfurt am Main - Die Lufthansa will zwei Standorte in Deutschland schließen, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstagabend. Betroffen sind der Fluggesellschaft zufolge die Kölner Hauptverwaltung mit 365 Arbeitsplätzen und der Standort Norderstedt der Buchhaltungstochter Lufthansa Revenue mit etwa 350 Jobs. Die mehr als 700 Arbeitsplätze sollen ins Ausland verlagert werden.
Auch sollten rund 160 der etwa 200 Arbeitsplätze der Konzernverwaltung im Bereich Financial Services in Hamburg in ein spezialisiertes Unternehmen ausgelagert werden, erklärte das Unternehmen. Ebenfalls geprüft werden soll, ob die Lufthansa-Tochter Cityline ihre Zentrale von Köln nach München verlegt.
Die Lufthansa hatte bereits im Oktober erklärt, sie habe rund 700 Stellen in der Verwaltung identifiziert, die ins Ausland verlagert werden sollten. Hinzu kommen bei den Auslandsvertretungen und Konzerntöchtern weitere rund 400 Jobs, die an andere Auslandsstandorte verlegt werden sollen. Über die Pläne wolle der Vorstand in den kommenden Wochen mit den Arbeitnehmervertretern verhandeln, erklärte Lufthansa.
Der Rotstift wird trotz eines knappen Milliardengewinns angesetzt. Zusätzlich zu den Standort-Schließungen sollen die Aktionäre auf eine Dividende verzichten. Zugleich will die Lufthansa-Spitze um Vorstandschef Christoph Franz mehr als 100 neue Flugzeuge bestellen, wie Europas größte Fluggesellschaft überraschend am Dienstagabend mitteilte.
Im abgelaufenen Jahr profitierte die Lufthansa überraschend stark von Beteiligungsverkäufen. Unter dem Strich verdiente der Dax-Konzern daher 990 Millionen Euro, nachdem er ein Jahr zuvor noch einen Verlust von 13 Millionen Euro zu verbuchen hatte. Im operativen Geschäft lief es allerdings schlechter. Während der Umsatz um fünf Prozent auf 30,1 Milliarden Euro wuchs, ging der operative Gewinn um 36 Prozent auf 524 Millionen Euro zurück. Damit fiel er auch schwächer aus als von Analysten erwartet.
Erst im Oktober hatte Lufthansa-Chef Franz eine Verschärfung des Sparkurses angekündigt. Die bislang in Angriff genommenen Projekte wie das Programm "Score" reichten nicht aus, um zusätzliche Belastungen auszugleichen, hieß es damals. Für das Sanierungsprogramm gab die Lufthansa 2012 rund 160 Millionen Euro aus. Durch die eingeleiteten Personalkürzungen und weitere Schritte sollen sollen die jährlichen Kosten bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro gesunken sein.