Zölle und Absatzminus Mercedes meldet Gewinneinbruch
Mercedes-Stern: Zölle belasten das Geschäft
Foto: Markus Lenhardt / dpaBei Mercedes stehen die Zeichen vorerst nicht auf Erholung. Der Gewinn im dritten Quartal wurde durch Zölle, geringere Absatzzahlen und Aufwendungen für Effizienzmaßnahmen gedrückt.
Der operative Gewinn, der beschreibt, wie viel ein Unternehmen mit seinem eigentlichen Kerngeschäft verdient, brach um 70 Prozent auf 750 Millionen Euro ein. Hier fließen einmalige Belastungen, wie die Kosten für den seit Frühjahr laufenden Personalabbau, ein.
Das bereinigte Betriebsergebnis – bereinigt um Sondereffekte – schrumpfte von Juli bis September um 17 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Es spiegelt die schwächere laufende Geschäftstätigkeit wider, die sich aus niedrigeren Verkäufen und höheren Zöllen ergibt.
»Die Quartalsergebnisse stehen im Einklang mit unserer Prognose für das Gesamtjahr«, erklärte Vorstandschef Ola Källenius und bestätigte die Konzernprognose eines deutlichen Rückgangs von Absatz, Umsatz und Vorsteuergewinn.
Unter dem Strich – also nach Abzug von Zinsen und Steuern – ergab sich ein Gewinnrückgang von 30 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, der Umsatz schrumpfte um sieben Prozent auf 32,1 Milliarden Euro.
Um die Profitabilität wieder zu steigern, hatte der Vorstand im Februar ein Sparprogramm angekündigt: Die Produktionskosten sollen bis 2027 um zehn Prozent sinken, ebenso die Fixkosten. Auch die Materialkosten sollen verbessert werden.
Mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbarte Mercedes ein Paket mit Abfindungsprogramm für Beschäftigte in indirekten Bereichen. Laut dem Management hat das Sparprogramm einen Umfang von rund fünf Milliarden Euro im Vergleich zu früheren internen Planungen.
Personalabbau kostet Hunderte Millionen
Der Dax-Konzern will mit Einsparungen und einer Modelloffensive die Krise überwinden. So bot das Unternehmen rund 40.000 Beschäftigten außerhalb der Produktion in Deutschland ein freiwilliges Ausscheiden gegen Abfindung an. Tausende machen davon Gebrauch.
Im dritten Quartal verbuchte das Unternehmen dafür 876 Millionen Euro an Restrukturierungskosten, im zweiten Quartal waren es mehr als 400 Millionen Euro.
Schwache Geschäfte in China und den USA hatten Mercedes-Benz erneut ein Absatzminus eingebracht. Von Juli bis September setzte der Autobauer 525.300 Pkw und Vans an die Händler ab – zwölf Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
In den ersten neun Monaten des Jahres steht bei Mercedes für Pkw und Vans nun insgesamt ein Minus von neun Prozent auf rund 1,6 Millionen Fahrzeuge in den Büchern. Bereits 2024 war der Absatz angesichts der Krise in der Autoindustrie um vier Prozent auf knapp 2,4 Millionen gesunken.
Nicht nur Mercedes, alle deutschen Autobauer kämpfen mit Absatzverlusten: Auf ihrem wichtigsten Markt China werden sie bei der schnellen Umstellung der Autokäufer auf Elektroautos von heimischen Konkurrenten abgehängt. Das betrifft besonders das Premium- und Luxussegment, das die Stuttgarter Hersteller Mercedes-Benz und Porsche bedienen.
»Die Marktsituation des Premium- und Luxussegments in China blieb weiterhin angespannt, insbesondere ausländische Hersteller verzeichneten deutliche Absatzrückgänge«, erklärte Mercedes.
Chipkrise als weiteres Risiko
In den USA schmälert der Importzoll die Gewinnspannen. Per August wurde er auf 15 Prozent festgelegt. Von April bis Juli verlangten die US-Zollbehörden 27,5 Prozent statt der früher geltenden 2,5 Prozent, weil US-Präsident Donald Trump Importzölle erhöht hat und so die heimische Wirtschaft stärken will.
Bis Ende September verkaufte die Marke Mercedes sechs Prozent mehr Autos in den USA, da vor der Zollerhöhung viele Fahrzeuge zu den Händlern geliefert wurden.
In Europa bremst die schwache Konjunktur die Autonachfrage. Zudem baut sich ein weiteres Geschäftsrisiko auf: Im Handelsstreit mit China droht die Belieferung mit Halbleitern des wichtigen Anbieters Nexperia zu versiegen. Autobauer und Zulieferer suchen fieberhaft nach Ersatz, bereiten sich aber zugleich auf Produktionsstopps vor.
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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, US-Präsident Donald Trump habe Exporte verteuert, um die heimische Wirtschaft zu stärken. Gemeint waren Exporte aus anderen Ländern in die USA. Zum korrekten Verständnis wurde die Formulierung angepasst, dass es sich um eine Erhöhung der Importzölle handelt.