Neuseeland: Die Flaute nach dem Beben - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Neuseeland Die Flaute nach dem Beben

Düstere Prognosen für Neuseelands Wirtschaft: Das Finanzministerium geht davon aus, dass sich das Wachstum in Folge der Erdbeben dieses Jahr halbieren wird. Der Wiederaufbau der Metropole Christchurch könnte ersten Prognosen zufolge zehn Jahre dauern.
Aufräumarbeiten an der Sydenham Heritage Church in Christchurch
Aufräumarbeiten an der Sydenham Heritage Church in Christchurch

Aufräumarbeiten an der Sydenham Heritage Church in Christchurch

Foto: Mark Baker/ AP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg/Wellington/Christchurch - Die neuseeländische Regierung geht nach den beiden jüngsten Erdbeben von einem Rückgang des Wirtschaftswachstums für dieses Jahr um fast die Hälfte aus. Nach den Beben im September und Ende Februar sei mit einer Verlangsamung um 1,5 Prozentpunkte auf zwei Prozent zu rechnen, gab das Finanzministerium am Sonntag bekannt.

Die Wiederaufbaumaßnahmen des zerstörten Christchurch, wo es am Samstag ein Nachbeben der Stärke 4,8 gegeben hat, brächten dann aber wahrscheinlich im kommenden Jahr eine Erholung der Wirtschaft: 2012 werde es einen "erheblichen Anstieg der Investitionen" geben, was die Inflation anheizen könnte.

Finanzminister Bill English warnte trotzdem vor allzu großen Hoffnungen, denn die Folgen der Naturkatastrophe machten wahrscheinlich "kurzfristig eine höhere Kreditaufnahme" und eine Wiederbewertung der Haushaltsprioritäten nötig. Insgesamt würde das Beben das Land im Jahr 2011 umgerechnet bis zu 7,9 Milliarden Euro kosten.

Derweil zieht sich die Suche nach verschütteten Leichen und deren Identifizierung hin. Elf Tage nach dem Erdbeben sind bisher 166 Tote geborgen worden, die Behörden rechnen mit insgesamt mehr als 200 Opfern. Zunächst war die Polizei von weit mehr Toten ausgegangen. Nachdem aber in einer Kathedrale in Christchurch entgegen der Befürchtungen keine Leichen gefunden worden waren, korrigierte die Polizei die zu erwartende Totenzahl nach unten.

Alltag wird sich in Christchurch noch lange nicht einstellen. Am Sonntag wurde zwar der Zugang zu einem Teil der streng abgeriegelten Innenstadt freigegeben, aber dort, wo die Bergungsarbeiten weitergehen oder instabile Gebäude stehen, bleibt der Zugang weiter gesperrt. Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung, David Carter, hatte am Donnerstag gewarnt, dass der Wiederaufbau der Stadt mehr als zehn Jahre dauern werde.

cbu/dapd/AFP