Fusionspläne Hollande bittet Chefs von Nokia und Alcatel zum Gespräch
Frankreichs Präsident Hollande: Sorge um Arbeitsplätze
Foto: REMY GABALDA/ AFPNokia plant einen großen Deal: Das finnische Unternehmen will den französischen Konzern Alcatel-Lucent übernehmen und sich damit für den scharfen Konkurrenzkampf im Markt der Netzwerkausrüster wappnen. Beide Firmen bestätigten fortgeschrittene Gespräche. Eine Einigung gebe es aber noch nicht, der Deal könne noch scheitern.
Doch wie weit die Verhandlungen bereits gediehen sind, zeigt ein Treffen auf höchster Ebene: Einem Insider aus dem Präsidentenamt zufolge sollten Nokia-Chef Rajeev Suri und Alcatel-Lucent-Boss Michel Combes noch am Dienstag mit dem französischen Präsidenten François Hollande zusammenkommen.
Aus dem französischen Wirtschaftsministerium hieß es, dass die Regierung in Paris sich wegen möglicher Stellenstreichungen sorge. Alcatel beschäftigt rund ein Neuntel seiner 52.000 Mitarbeiter in Frankreich. Positiv wird in Frankreich aber gesehen, dass die beiden Unternehmen gemeinsam zum Marktführer aufsteigen könnten. Die französische Regierung wirft traditionell ein kritisches Auge auf die Übernahme von heimischen Konzernen durch ausländische Unternehmen. Die Regierung in Paris könnte die Übernahme blockieren.
Für Nokia wäre die Fusion eine erneute Wandlung
Der einstige Gummistiefelhersteller und Handy-Pionier Nokia ist zu einem reinen Netzwerkausrüster geschrumpft. Erst vor rund einem Jahr wurde die traditionsreiche Handysparte an Microsoft verkauft. Die Zahlen waren zuvor jahrelang schwach. Sollte die Fusion nun gelingen, wäre das finnische Unternehmen ein Beispiel dafür, dass sich eine Firma mehrmals erfolgreich neu aufstellen kann.
Zusammen würden die beiden Firmen beim Umsatz die Marktführer Ericsson und den chinesischen Huawei-Konzern übertreffen. Bei einer Fusion würde ein Unternehmen mit einem Marktwert von rund 40 Milliarden Euro entstehen - fast zwei Drittel davon kämen von Nokia. Es ist unklar, wie viel Nokia für Alcatel auf den Tisch legen würde. Den Firmen zufolge ist ein Aktiengebot im Gespräch.
Die Aktie von Alcatel-Lucent stieg um 14,5 Prozent, während das Papier von Nokia um knapp drei Prozent nachgab. Analysten waren zurückhaltend bezüglich der Erfolgsaussichten einer Fusion. "Es könnte ein paar Einsparungen geben, aber nur weil sich ein schwächerer Spieler mit einem anderen schwachen zusammentut, muss am Ende kein starker Spieler entstehen", sagte ein Fondsmanager.
Zusammenschlüsse in der Netzwerkbranche, in der ständig Geld in neue Projekte investiert werden muss, gelten als schwierig. Die letzte Fusionswelle vor rund einem Jahrzehnt brachte nicht die gewünschten Resultate. Damals entstand Alcatel-Lucent - ein Konzern, der seither nie Gewinne schrieb. Und Nokia brachte sein Netzwerkgeschäft mit dem von Siemens zusammen. Diese Zusammenarbeit gehört allerdings längst der Vergangenheit an.