Ex-Nokia-Chef Elop und Microsoft Heimkehr des trojanischen Managers
Stephen Elop (l.) und Steve Ballmer: Von Nokia auf den Microsoft-Chefsessel?
Foto: LUKE MACGREGOR/ ReutersHamburg - Mit den Worten "Betreff: Beschleunigtes Wachstum" ist die Mail überschrieben, in der Microsoft-Chef Steve Ballmer seinen Mitarbeitern jene Botschaft verkündete, die zumindest in Teilen nicht überraschte. Stephen Elop, einst Leiter von Microsofts Geschäftskundensparte und seit drei Jahren Nokia-Chef, kehrt zurück nach Redmond.
Das Überraschende: Der 49-Jährige bringt das komplette Handy-Geschäft Nokias samt den rund 32.000 Beschäftigten gleich mit. Ändern wird sich indes nicht viel. Denn Nokias Smartphone-Geschäft gleicht spätestens seit Februar 2011 einem Außenposten Microsofts.
Es begann damit, dass der kanadische Ex-Microsoftler vor drei Jahren als erster Nicht-Finne den Chefposten Nokias übernahm, dann verkündete Elop, Nokia-Smartphones künftig mit dem Windows-Betriebssystem auszurüsten und das hauseigene Betriebssystem Symbian einzumotten. Dass Microsoft für Nokia praktisch im Alleingang die Vermarktung der Lumia-Smartphones übernommen hat, schließt den Kreis.
Erste Handys: Das war Nokia
Elop baute Nokia nach den Plänen seines Vorgängers um
Die Ideen zum Umbau Nokias waren allerdings bereits zum Antritt Elops nicht mehr neu. Schließlich hatte schon der im Herbst 2010 geschasste damalige Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo dem Unternehmen einen radikalen Umbau verordnet, weg vom Gerätehersteller hin zum Software-Unternehmen. Ein Verkauf der Handy-Sparte galt schon zu Kallasvuos Zeit nicht mehr als Tabu.
Die Rolle Elops könnte im Nachhinein indes als eine Art Katalysator bezeichnet werden. Unvergessen ist vielen Mitarbeitern jene Brandrede, in der der 49-Jährige nur wenige Monate nach seinem Antritt Nokia als "brennende Bohrinsel" bezeichnete. Es gebe nur die Wahl, zu verbrennen oder sich in die unsichere See zu stürzen.
Elop entschied sich für Letzteres, indem er unter anderem den Ausbau der noch vergleichsweise umsatzschwachen Kartendienst-Sparte forcierte, deren Grundlage der Konzern 2007 mit dem Kauf des Navigationsherstellers Navteq gelegt hatte.
Darüber hinaus fädelte er im Sommer dieses Jahres die Komplettübernahme des ebenfalls 2007 gegründeten Joint-Ventures Nokia-Siemens-Networks ein - das wegen des harten Wettbewerbs vor allem mit chinesischen Netzwerkausrüstern in den vergangenen Jahren immer wieder Krisen durchlebt hatte.
Gleichzeitig richtete Elop Nokias Smartphone-Sparte so aus, dass früh klar wurde, welcher Konzern als einziger ein passendes Rettungsboot liefern würde: Microsoft.
Dass der Software-Konzern sich den angeschlagenen Handy-Hersteller jetzt ins Boot holt, ist Branchenkennern zufolge eher eine Rettungsaktion als ein Schritt zu "beschleunigtem Wachstum". Um mit den neuen Smartphones die Profitabilitätsschwelle zu erreichen, müsste Nokia demnach rund doppelt soviel Smartphones verkaufen wie bisher - also rund 50 Millionen Geräte im Jahr.
Trotz guter Kritiken für die Lumia-Modelle vermochte es Nokia unter Elop bisher nicht, auch nur annähernd die Verkaufszahlen von Apple und Samsung zu erreichen. Alle verkauften Windows-Smartphones erreichen am Weltmarkt nur etwas mehr als drei Prozent. Dabei hofft Microsoft auf einen Smartphone-Marktanteil von 15 Prozent im Jahr 2018.
Top-Kandidat für Ballmer-Nachfolge
Dennoch gilt Elop als Top-Kandidat für die Nachfolge des scheidenden Microsoft-Chefs Ballmer. Ein Gerücht, das nicht zuletzt Ballmer selbst kurz nach der Bekanntgabe des Wechsels seines Top-Managers nach Finnland in einer offenen E-Mail an die Microsoft-Mitarbeiter vieldeutig angefacht hatte: "Ich freue mich darauf, mit ihm in seiner neuen Position bei Nokia zusammenzuarbeiten", schrieb er damals. Ein Satz, der schon damals eher nach Spartenwechsel denn nach Konzernwechsel klang.
Dass der im kanadischen Ancaster in der Provinz Ontario geborene Hobbypilot Elop zumindest formal über die Erfahrung verfügt, die ihm den Top-Posten beim US-Konzern einbringen könnte, gilt als unbestritten. Er verbrachte den Großteil seiner Karriere in der Software-Branche, seit Mitte der neunziger Jahre arbeitete er rund acht Jahre beim Multimedia-Spezialisten Macromedia, zuletzt als Firmenchef.
2005 wurde Macromedia von Adobe gekauft. Dort blieb Elop zwei Jahre und wechselte dann zum Netzwerkausrüster Juniper , wo er das Tagesgeschäft steuerte. 2008 holte ihn Ballmer zu Microsoft, wo er unter anderem die Geschäftskundensparte leitete und verantwortlich war für Produkte wie Microsoft Office und die Firmensoftware Microsoft Dynamics.
Dafür, dass Elop schon heute als Nachfolger Ballmers positioniert wird, gibt es Indizien. So wäre es schon ein außergewöhnlicher Zufall, dass der Rücktritt Ballmers in den kommenden zwölf Monaten und die Rückkehr Elops im kommenden Jahr binnen einer Woche verkündet wurden.
Nicht zuletzt sticht auch die herausgehobene Rolle Elops in der aktuellen Mitarbeiter-Mail Ballmers ins Auge. In zehn Punkten verkündet der Microsoft-Chef dort, was sich mit dem Kauf Nokias alles verändern wird. Punkt 1: "Stephen Elop wird zu Microsoft zurückkehren."