Nach Freigabe durch Kanada Siemens will reparierte Turbine für Nord Stream 1 schnellstmöglich installieren
Rohre der Pipeline Nord Stream 1 in Lubmin
Foto: Jens Büttner / dpaSiemens will die von Kanada freigegebene Turbine für die Gaspipeline Nord Stream 1 schnellstmöglich in Russland installieren. »Unser Ziel ist es, die Turbine so schnell wie möglich zu ihrem Einsatzort zu transportieren«, erklärte ein Unternehmenssprecher am Sonntag. Die kanadische Regierung hatte am Samstag eine zeitlich befristete Sondergenehmigung für die Ausfuhr erteilt.
Ottawa hatte gezögert, weil die Lieferung der gewarteten Turbine an den russischen Energiekonzern Gazprom gegen Sanktionsvorschriften verstoßen hätte. Nun wird die Turbine aber an Deutschland ausgeliefert.
Berlin hatte sich in den vergangenen Wochen bei Kanada intensiv um die Freigabe der Turbinen bemüht. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) hatte der kanadischen Regierung vorgeschlagen, die Turbine an Deutschland zu liefern, wenn das die Entscheidung rechtlich einfacher mache.
Das Energie- und das Außenministerium der Ukraine teilten mit, sie seien über die Entscheidung Kanadas »zutiefst enttäuscht«. Die kanadische Regierung müsse die Entscheidung rückgängig machen, heißt es in einer auf der Homepage des Energieministeriums veröffentlichten Erklärung. Kanada würde sich sonst »den Launen Russlands« unterwerfen.
Jonathan Wilkinson, kanadischer Minister für natürliche Ressourcen
»Ohne die notwendige Versorgung mit Erdgas wird die deutsche Wirtschaft sehr große Schwierigkeiten haben«, erklärte der kanadische Minister für natürliche Ressourcen, Jonathan Wilkinson. »Und die Deutschen selbst laufen Gefahr, dass sie ihre Häuser im bevorstehenden Winter nicht heizen können.« Wilkinson warf Russlands Präsident Wladimir Putin den Versuch vor, über die Energiefrage unter den Verbündeten der Ukraine »Spaltung säen zu wollen«.
Moskau hatte den Ausfall einer Turbine Mitte Juni als einen Grund für die Drosselung seiner Gaslieferungen über die Nord-Stream-Pipeline angeführt. Die Bundesregierung zweifelte diese Argumentation an und bezeichnete den Vorgang als politisch motiviert.
Die politische Entscheidung Kanadas sei für die Ausfuhrgenehmigung der Turbine »ein notwendiger und wichtiger erster Schritt«, erklärte der Siemens-Sprecher. Aktuell arbeiteten die Experten des Unternehmens »mit Hochdruck an allen weiteren formalen Genehmigungen und der Logistik«. Dabei handele es sich unter anderem um Vorgänge, die der Export- und Importkontrolle unterliegen.
»Wir begrüßen die Entscheidung unserer kanadischen Freunde und Verbündeten«, teilte ein Sprecher der Bundesregierung mit. Das Bundeswirtschaftsministerium würdigte einen »guten und konstruktiven Austausch« mit Ottawa.
Am Montagmorgen wird die Ostseepipeline Nord Stream 1 aufgrund von jährlich wiederkehrende Wartungsarbeiten, die der Betreiber bereits vor längerer Zeit angekündigt hatte, vorübergehend abgeschaltet. Unter anderem Habeck hat akute Bedenken geäußert, dass Russland den Gashahn auch nach Abschluss der Wartung nicht mehr aufdrehen könnte. Wie die Betreibergesellschaft Nord Stream AG mitteilte, sollen die Arbeiten bis zum 21. Juli dauern. In dieser Zeit werde kein Gas nach Deutschland befördert.