Oetker: August Oetker tritt ab - DER SPIEGEL
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Lebensmittel-Clan August Oetker tritt ab

In sechs Tagen wird August Oetker, Urenkel des Firmengründers, 75 Jahre alt - und muss sich nach den Statuten des Puddingimperiums zurückziehen. Wie geht es weiter im Familienzwist?
August Oetker (Archivbild)
August Oetker (Archivbild)

August Oetker (Archivbild)

Foto: DPA
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August Oetker war der vierte Chef in der Unternehmensgeschichte des Pudding-, Pizza- und Backpulver-Anbieters aus Bielefeld - nun zieht er sich aus dem Unternehmen zurück. Denn den Statuten des Unternehmens zufolge muss er mit Vollendung des 75. Lebensjahres zum Monatsende den Vorsitz des Beirats - und damit seine Position in der Schaltstelle des Konzerns - aufgeben.

August Oetker ist Urenkel des gleichnamigen Firmengründers und übernahm 1981 die Leitung des 1891 gegründeten Unternehmens. Er führte mehrere Unternehmen zur heutigen Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG zusammen, zuletzt kümmerte er sich als Beiratsvorsitzender um die Stiftungen oder die Rudolf-Oetker-Halle. 2017 beschäftigte das Familienunternehmen eigenen Angaben zufolge mehr als 11.000 Mitarbeiter, darunter etwa 4500 in Deutschland.

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers wählt der Beirat noch im März einen Nachfolger für August Oetker. "Der neue Vorsitzende wird durch eine Wahl bestimmt, nicht durch die Nennung in den Medien", hieß es dazu aus der Zentrale.

In den vergangenen Jahren stand die Oetker-Gruppe auch durch einen Familienzwist in der Öffentlichkeit. Denn nach dem Tod des Patriarchen Rudolf-August Oetker, der das Unternehmen nach dem Zweiten Weltkrieg übernommen hatte, zerstritten sich seine acht Kinder aus drei Ehen.

Familienzwist setzt sich fort

Der ältere Familienzweig um August Oetker verhinderte damals, dass dessen jüngerer Halbbruder Alfred, 49, die Führung im Nahrungsmittelkonzern übernahm. Stattdessen wurde 2009 überraschend Augusts Bruder Richard Oetker zum Firmenchef ernannt, er trieb die Internationalisierung des Konzerns voran.

August Oetker wechselte an die Beiratsspitze. In dieser Position ließ er unter anderem die Rolle des Unternehmens im Nationalsozialismus aufarbeiten (lesen Sie hier ein Interview mit dem Forschungsleiter darüber).

Im Jahr 2016 hatte die Oetker-Gruppe die kriselnde Reederei Hamburg Süd an den Containerriesen Maersk verkauft und damit die Halbierung ihres Umsatzes von zwölf Milliarden Euro akzeptiert. August Oetker hatte diesen Bereich in seiner Zeit an der Spitze zur größten Sparte gemacht.

Elf Tage später kürte der Beirat zum ersten Mal in der 125-jährigen Geschichte einen Familienfremden zum Chef: Albert Christmann, ehemaliger Finanzchef des Konzerns, leitet das Unternehmen seit 2017. Er war August Oetkers Favorit für die Nachfolge: "Es sollen die Besten das Unternehmen führen", hatte er der Nachrichtenagentur dpa zu seinem 70. Geburtstag gesagt und damit angedeutet, dass nicht unbedingt ein Oetker an der Konzernspitze stehen müsse.

Zuletzt legte die jüngste Oetker-Generation Klage beim Landgericht Bielefeld ein. Es gibt Streit um die Nachfolge von Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr im Beirat. Kaum war die Klage beim Konzern eingegangen, ruhte sie auch wieder. "August Oetker ist wichtig, dass alle miteinander reden und nach Lösungen suchen. Auch innerhalb der Familie", sagt der Konzernsprecher. Jetzt streben alle eine außergerichtliche Einigung an - vorerst.

kko/dpa