Übernahmeschlacht Deutsche Milliardärsfamilie will Avon schlucken
Ausverkauf von Avon-Produkten in New York (2009): Widerstand gegen Übernahme
Foto: Eric Thayer / REUTERSNew York - Mit Verkaufspartys nach dem Tupperware-Prinzip ist Avon zum Kosmetikgiganten aufgestiegen. Doch das Geschäft schwächelt - und der deutlich kleinere Parfum-Hersteller Coty will die Chance nutzen und die Traditionsfirma schlucken. Insgesamt rund zehn Milliarden Dollar bietet Coty für Avon. Doch der New Yorker Konzern wies die Offerte umgehend als zu niedrig zurück - obwohl diese zwei Milliarden Dollar über dem jüngsten Börsenwert liegt. Das Angebot reflektiere nicht den wahren Wert des Unternehmens, erklärte das Avon-Management.
Hinter dem Angriff auf den Kosmetikriesen steckt die deutsche Milliardärsfamilie Reimann. Ihr gehört Coty. Zudem ist die Familie über die Finanzholding Joh. A. Benckiser (JAB) Großaktionär beim Wasch- und Reinigungsmittelhersteller Reckitt Benckiser. Die Reimanns stecken auch hinter der Gesellschaft Labelux, unter der Luxus-Modefirmen wie Jimmy Choo und Schmuck- und Taschenhersteller angesiedelt sind.
Vom manager magazin wurden die Reimanns mit einem geschätzten Vermögen von acht Milliarden Euro unter die zehn reichsten Deutschen gewählt. Sie leben äußert zurückgezogen in der Nähe von Mannheim.
Doch nun rückt die Familie ins Rampenlicht. Denn mit der Offerte für Avon könnte in der Kosmetikbranche eine milliardenschwere Übernahmeschlacht beginnen. Coty mit 12.000 Mitarbeitern gilt als aufstrebendes Unternehmen und vertreibt unter anderem Parfums der Sängerinnen Beyoncé und Lady Gaga sowie die Duft- und Kosmetikmarken von Davidoff, Calvin Klein, Adidas und Jil Sander . Auch die Marke Rimmel gehört zu der Firma. Sie ist aber deutlich kleiner als Avon. Im Geschäftsjahr 2010/11 erwirtschaftete Coty nach eigenen Angaben rund 4,1 Milliarden Dollar Umsatz - Avon setzte im abgelaufenen Geschäftsjahr 11,3 Milliarden Dollar um.
Der 125 Jahre alte Traditionskonzern aus New York steckt allerdings in der Krise. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat Avon rund 50 Prozent seines Börsenwertes verloren. Der Kosmetikhersteller leidet unter der Kaufzurückhaltung der US-Verbraucher sowie einem schärferen Wettbewerb. Avon will deshalb Stellen abbauen. Zudem gibt es Bestechungsvorwürfe gegen die Firma. Die langjährige Avon-Chefin Andrea Jung will ihr Amt im laufenden Jahr aufgeben - doch die Nachfolge ist noch nicht geklärt.
Coty würde auch mehr für Avon zahlen
Avon ist mit seinem engmaschigen Vertriebsnetz aus weltweit rund sechs Millionen Beraterinnen bekannt geworden. Auf Partys können Kunden die neuesten Produkte ausprobieren. In Deutschland sind nach Unternehmensangaben 3,5 Millionen Frauen Avon-Kundinnen.
Coty will sich durch den Zukauf weniger abhängig vom Parfum-Geschäft machen und eine weltweite Kundenbasis ansprechen. Pläne für ein feindliches Übernahmeangebot gebe es nicht, teilte die Firma mit. Wenn die Prüfung der Bücher dies rechtfertige, werde man auch mehr für Avon zahlen. Bisher sei das Management dort aber nicht zu Verhandlungen bereit. "Wir verstehen nicht, wie der Unwillen des Direktoriums, unser Angebot zu diskutieren, im besten Interesse der Avon-Aktionäre sein kann", schrieb Coty in einem Brief an die scheidende Avon-Chefin Jung.
Zumindest kurzzeitig konnte Avon von dem Übernahmeangebot profitieren. Der Aktienkurs der Firma schoss am Montag um rund 14 Prozent nach oben.