Pleite des Finanzkonzerns MF-Global-Chef Corzine tritt zurück
Jon Corzine: Verzicht auf Abfindung
Foto: Andrew Harrer/ dpaNew York - Nun wurde der Druck zu groß: MF-Global-Chef Jon Corzine hat den Rücktritt von allen seinen Posten erklärt. "Ich bin sehr traurig darüber, was bei MF Global geschehen ist, und welche Auswirkungen das auf die Kunden, Mitarbeiter und viele andere hatte." Der Finanzkonzern musste am Montag Insolvenz , zudem soll die amerikanische Bundespolizei FBI inzwischen ermitteln, weil Kundengelder in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar vermisst werden.
Die Folgen der Pleite: Rund 2900 Mitarbeiter von MF Global müssen um ihren Job bangen, Kunden kommen nicht an ihr Geld heran, Investoren droht ein massiver Verlust. Auf eine Abfindung werde Corzine dem Unternehmen zufolge verzichten. Ihm hätten laut einer Mitteilung an die Börsenaufsicht von Anfang Juli einschließlich Sonderzuwendungen 12,1 Millionen Dollar zugestanden - sofern er sich im Zusammenhang mit der Pleite nichts zuschulden kommen hat lassen.
Letzteres wird voraussichtlich ein Gericht klären. Ein Anleger hat Corzine und die anderen Führungskräfte wegen Betrugs verklagt und wirft ihnen vor, die prekäre Lage der Finanzfirma systematisch beschönigt zu haben.
Vergangenheit als Banken-Star und Regierungschef
Corzine hatte seinen Top-Job bei MF Global erst im vergangenen Jahr angetreten. Der 64-Jährige wollte den eher langweiligen Wertpapierhändler in eine glamouröse Investmentbank verwandeln - ganz nach dem Vorbild von Goldman Sachs, wo Corzine sich in den neunziger Jahren bis zum Co-Chef hocharbeitete. Nach einem Führungsstreit wechselte Corzine in die Politik. Er wurde Senator und später sogar Gouverneur des Bundesstaats New Jersey.
MF Global wettete unter Corzines Ägide massiv auf eine schnelle Erholung der Euro-Zone - und schrieb prompt hohe Verluste. Nun wird zu allem Überfluss auch noch Geld von Kundenkonten vermisst. Die Finanzaufsichtsbehörden SEC und CFTC haben Ermittlungen wegen "Unregelmäßigkeiten" aufgenommen, und dem Vernehmen nach hat sich auch die Bundespolizei FBI eingeschaltet. Corzine erklärte in seiner Abschiedsmitteilung, er wolle MF Global bei den Nachforschungen unterstützen.
Die Aufsichtsbehörde SEC geht laut der Nachrichtenagentur Bloomberg zudem dem Verdacht auf Insiderhandel nach: Investoren sollen schon vor der offiziellen Herabstufung der Bonität von MF Global einen Hinweis auf die Probleme erhalten und sich zurückgezogen haben, um Verluste zu vermeiden.