Portugiesischer Stromriese Chinesen schnappen E.on Beteiligung an EDP weg
Windräder von EDP Renewables: E.on unterliegt im Kampf um EDP-Anteile
Foto: JOSE MANUEL RIBEIRO/ REUTERSLissabon - E.on muss seine Pläne für den Einstieg in den portugiesischen Markt vorerst aufgeben. Im Rennen um die bisher vom Staat gehaltenen Beteiligung an dem Stromriesen EDP scheiterte der größte deutsche Energiekonzern an einem chinesischen Unternehmen. Der Wasserkrafterzeuger Three Gorges wird mit einem Kapitalanteil von 21,35 Prozent in Zukunft Hauptaktionär von EDP. Laut Angaben der Staatsholding Parpública und der Kommission für den Wertpapiermarkt wurde Three Gorges bei einem Treffen des Ministerrats zum Sieger erkoren.
Auch die brasilianischen Unternehmen Eletrobras und Cemig hatten für EDP geboten. Mit rund 2,7 Milliarden Euro hatten jedoch die Chinesen das höchste Gebot abgegeben. Die E.on-Offerte lag Berichten portugiesischer Fachmedien zufolge um rund 200 Millionen Euro niedriger.
Bis Ende Januar soll die Privatisierung der EDP abgeschlossen sein, danach wird der Staat noch knapp vier Prozent an dem profitablen Stromkonzern halten. Auch dieses Paket möchte die portugiesische Regierung aber bald abstoßen. EDP ist mit rund 12.000 Mitarbeitern einer der größten Energieversorger Europas und auch im Bereich der erneuerbaren Energien führend.
Chinesen stellten Milliardeninvestitionen in Aussicht
E.on-Chef Johannes Teyssen bedauerte die Entscheidung, betonte aber, man habe nicht mehr bieten können als marktgerecht und wertschaffend gewesen wäre. Nun wolle man den Umbau des Konzerns noch intensiver vorantreiben. Dabei liege der Schwerpunkt auf der Profitabilität des Unternehmens, auf Investitionen in neue Geschäftsfelder und in ausgewählte Wachstumsmärkte, vor allem in erneuerbare Energien. Die Atomwende in Deutschland zwingt E.on zu einem Strategiewechsel. Dazu gehören auch rigide Sparpläne und Stellenabbau, milliardenschwere Abschreibungen, Verkäufe und Übernahmen.
Laut "Financial Times" hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich bei einem Treffen mit dem portugiesischen Regierungschef Pedro Passos Coelho heftig für die E.on-Offerte geworben. Für die Chinesen sprach allerdings, dass sie nicht nur das höchste Gebot abgaben, sondern auch, dass sie Investitionen von mindestens vier Milliarden Euro in Aussicht stellten. Sie wollen laut Insidern zudem auch den Bau einer Windturbinenfabrik in Portugal finanzieren, die für Exporte im Wert von mindestens 500 Millionen Euro pro Jahr sorgen werde.