Schifffahrt: Emma, komm bald wieder - DER SPIEGEL
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Schiffsfonds: Innovative und erprobte Konzepte

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

Schifffahrt Emma, komm bald wieder

Die Seefahrt ist faszinierend - aber lässt sich damit auch Geld verdienen? Ja, sagen Experten: Für Anleger bieten sich tatsächlich Gewinnchancen. Gerade jetzt legen Schiffsfonds neue Angebote vor.
Von Sabine Groth
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Groß, größer, Maersk. Fast fünf Jahre ist es her, dass die Emma Maersk die konzerneigene Werft in Odense verließ. Der Gigant der Meere kann rund 15.000 Standardcontainer à 20 Fuß (TEU) laden. Die dänische Reederei APM Maersk setzte mit dem Schiff einen neuen Meilenstein in der Containerschifffahrt. Jetzt will die weltgrößte Containerreederei den nächsten setzen und hat zehn 18.000-TEU-Schiffe bei der Daewoo-Werft in Korea in Auftrag gegeben. 2013 soll das erste vom Stapel laufen.

Die Containerschifffahrt lebt. Auslastung, Charterraten und Kaufpreise steigen nach der schweren Krise wieder. Das Schifffahrtssegment hat es in der Krise am stärksten getroffen, und jetzt werden ihm die besten Aussichten zugesprochen. Grund genug für Emissionshäuser, sich wieder an ihr angestammtes Terrain, die Containerschiffsfonds, zu wagen.

Konzept ohne Schnickschnack

So beispielsweise HCI und Fondshaus Hamburg. Beide halten jedoch Abstand vom Größenwahn à la Maersk. "Wir sehen besonders bei den kleineren und mittleren Größen bis zirka 5000 TEU gute Chancen. Das Orderbuch ist hier nicht so stark, und damit droht kein ungesundes Kapazitätswachstum", sagt Andreas Arndt, Leiter des Gesamtvertriebs bei HCI. Objekt seines neuen Fonds JPO Leo ist ein 3100-TEU-Containerschiff.

Innovative Ideen und Modelle, um die Anleger wieder für Schiffsfonds zu begeistern, hält Arndt für überflüssig. Er glaubt vielmehr an die Überzeugungskraft eines soliden Konzeptes: günstiger Kaufpreis, nachhaltige Beschäftigung, Top-Reeder, renditestarke Ausschüttung. 38,5 Millionen Dollar kostet das Fondsschiff, das die Stettiner Werft 2005 an die Reederei Oltmann ausgeliefert hat. Oltmann übernimmt die Bereederung und beteiligt sich mit einer halben Million Euro am Fonds. Die JPO Leo fährt künftig - wie bisher - im Einnahmepool der Peter Döhle Schifffahrts-KG, in dem sich weitere 15 Schiffe gleicher Größe mit Festchartervertrag mit unterschiedlichen Reedereien befinden. 2005 bis 2008 fuhren die Schiffe im Schnitt eine Rate von 24.000 bis 29.000 Dollar pro Tag ein, dann ging es runter auf unter 10.000 Dollar. Seit Sommer 2010 steigen die Einnahmen wieder. Für 2011 kalkuliert HCI mit einer Rate von 17.000 Dollar, für 2012 mit 19.000 Dollar, 2013 sollen es 22.000 sein und ab 2014 dann 23.500 Dollar.

Der Fremdkapitalanteil liegt bei nur knapp 40 Prozent und soll bis 2020 abgelöst sein. Ab 2012 gibt es eine Auszahlung von zunächst 8 Prozent pro Jahr. Läuft alles planmäßig, liegt der Gesamtrückfluss nach Verkauf des Schiffes zu etwa 50 Prozent des Kaufpreises im Jahr 2022 bei rund 180 Prozent.

Unbeschadet durch die Krise

Etwas kleiner als die JPO Leo ist die Antofagasta. Das nach einer chilenischen Hafenstadt benannte Containerschiff des Fonds Nummer 40 vom Fondshaus Hamburg hat eine Ladekapazität von rund 2900 TEU. Der Baupreis mit Nebenkosten des im März 2008 abgelieferten Schiffs beträgt 52,5 Millionen Dollar.

Für den Fonds rechnet sich der hohe Einstandspreis dennoch dank eines auskömmlichen Chartervertrags mit einem bonitätsstarken Mieter. Seit Ablieferung transportiert das Schiff Ware für Maersk. Die Reederei zahlt pünktlich ihre Charterraten von 22.550 Dollar pro Tag. Der Fonds ist so unbeschadet durch die Krise gefahren. Auszahlungen an die Anleger sowie Zinsen und Tilgung des Kredits können problemlos geleistet werden.

Probleme gab es vielmehr im Vertrieb des Fonds, der im Sommer 2009 startete, als keiner Schiffsfonds haben wollte. FHH-Geschäftsführer Jens Brandis ist jetzt jedoch zuversichtlich und will den Fonds bis zum Sommer platziert haben. Mitte März fehlten noch 9,7 Millionen Euro. Eine Zielgruppe sind Anleger, die bereits im Fonds sind. Wer vor März 2011 investiert hat, bekommt auf Neueinlagen in diesem Jahr 9 Prozent Ausschüttung. Neuanleger erhalten 8 Prozent. Ab 2012 soll es dann für alle einheitlich 8 Prozent geben. Bis zum geplanten Laufzeitende 2025 sollen Anleger ihre Einlage plus 91 Prozent Gewinn erhalten haben. Darin enthalten ist der Verkauf zu 30 Prozent des Anschaffungspreises.

Im Anschluss an die Festcharter ab März 2013 wird mit einer Charterrate von 20.500 US-Dollar kalkuliert. Zurzeit zahlt der Markt noch nicht so viel. "Bei einer anhaltenden Erholung wird das Schiff dann sicher zu den kalkulierten Raten zu verchartern sein", so Brandis. Er rechnet sogar damit, dass Maersk zumindest die erste von drei Optionen über jeweils ein Jahr nutzt, dann fließen 24.250 Dollar pro Tag in den Fonds. "Maersk investiert stark in sehr große Containerschiffe. Entsprechend benötigt die Reederei mehr kleinere Zubringerschiffe wie die Antofagasta, die die Ware in kleinere Häfen verteilen", so Brandis.

Schiffsfonds

Nach zehn Jahren Geld zurück

Auch MPC ist nach mehr als zwei Jahren Abstinenz mit dem Bulker-Fonds MS Rio Manaus wieder in das Schiffsgeschäft zurückgekehrt und hat sich ein besonderes Konzept einfallen lassen. Einfach so weitermachen wie vor der Krise will Vorstand Alexander Betz nicht: "Um Anleger wieder für Schiffsfonds zu interessieren, müssen wir ihnen ein besseres Chance-Risiko-Profil bieten."

MPCs Angebot dafür ist ein 10x10-Modell: Der Anleger bekommt während der zehnjährigen Festcharter jedes Jahr 10 Prozent ausgezahlt. Genau genommen erhält er 9 Prozent, ein Prozent wird im Fonds thesauriert und nach zehn Jahren ausgeschüttet. Vorausgesetzt der Charterer, die japanische Sanko Line, zahlt nach Plan, und die Betriebskosten laufen nicht aus dem Ruder, hat der Anleger nach zehn Jahren sein eingezahltes Kapital zurück - zumindest auf Dollar-Basis, denn der Fonds ist in der amerikanischen Währung gerechnet.

Die hohe Ausschüttung ist möglich, da die finanzierende Bank anfangs zurücksteckt. Nach zehn Jahren sind erst rund 40 Prozent des Kredits getilgt. In den Folgejahren gehen daher die Auszahlungen auf 5 Prozent zurück. Auf eine weitere "10" hat MPC verzichtet: Die Haftsumme der Anleger wurde von 10 auf rund ein Prozent gesenkt.

Investitionsobjekt ist die Rio Manaus, ein Capesize-Bulker, der bis zu 180.000 Tonnen Massengüter wie Eisenerz und Kohle transportieren kann. Nach Ablieferung zahlt Sanko Line zehn Jahre lang eine Tagescharterrate von 37.950 Dollar. Im Anschluss rechnet MPC mit 36.500 Dollar. Ende 2029 soll das dann entschuldete Schiff zu einem Viertel seines Neubaupreises, der 91,6 Millionen Dollar beträgt, verkauft werden.

Anleger sollen 36,3 Millionen Euro, knapp 40 Prozent der Gesamtsumme, tragen. Sind drei Viertel des Geldes bis Ende Juni nicht zusammen, wird der Fonds auf MPC-Kosten rückabgewickelt. Das ist noch eine Neuerung nach der Krise: Platzierungsgarantien gibt MPC nicht mehr.

Klassische Einschiffsgesellschaften sind nicht die einzige Möglichkeit, über geschlossene Fonds in die Schifffahrt zu investieren. Zweitmarktfonds bieten eine deutlich breitere Streuung. Die Preise am Zweitmarkt sind in der Krise stark gesunken und ziehen jetzt wieder an. Für den Fonds Schiffsportfolio 8 will Nordcapital 20,5 Millionen Euro bei Anlegern einwerben und voraussichtlich in mehr als 50 Schiffsbeteiligungen investieren.

Günstig einsteigen

Im Gegensatz zum klassischen Modell weiß der Anleger allerdings nicht, in was er investiert. Der Fonds ist mit einem Anfangsportfolio von 19 Schiffsbeteiligungen für 1,25 Millionen Euro gestartet, zehn davon sind Nordcapital-Fonds. Das Emissionshaus hat einen guten Zugang zu gebrauchten Fondsanteilen über den hauseigenen Zweitmarkt DSM.

Neben dem Zweitmarkt setzt der Fonds auf Vorzugskapital. Dieses müssen einige Emissionshäuser zurzeit zu attraktiven Konditionen anbieten, um frisches Geld für in Seenot geratene Fonds zu bekommen. Drittes Standbein sind Direktinvestments. Gerade hat der Fonds drei 1100-TEU-Containerschiffe zusammen mit der Johs. Thode Reederei erworben. Der Fonds steuerte eine Million Euro zum Deal bei. Insgesamt waren Mitte März 3,5 Millionen Euro in 31 Schiffen investiert, 2,15 Millionen in Zweitmarktanteilen, 350.000 in Vorzugskapital und eine Million im Direktinvestment. "Durch die kombinierte Investitionsstrategie können wir die aktuellen Marktchancen optimal für den Fonds nutzen", erklärt Tim Richter, Geschäftsführer Nordcapital Portfolio Management.

Das gesamte Portfolio soll Ende 2017 wieder verkauft werden. Regelmäßige Ausschüttungen verspricht Nordcapital nicht. Das Emissionshaus rechnet für die Anleger mit einer durchschnittlichen Kapitalmehrung von 7 Prozent pro Jahr nach Steuern.

Schiffsfonds

Der Artikel stammt aus dem Magazin "Das Investment"