Schmiergeldskandal MAN-Chef Samuelsson geht
Man-Chef Hakan Samuelsson: personeller Neuanfang auf höchster Ebene
Foto: A3483 Matthias Schrader/ dpaMünchen - Der Chef des Nutzfahrzeugbauers MAN, Hakan Samuelsson, tritt zurück. Samuelsson habe am Montag sein Amt als Vorstandsvorsitzender niedergelegt, teilte das Unternehmen in München mit. Er verlässt MAN demnach "auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung".
Samuelsson wolle mit seiner Entscheidung dazu beitragen, dass sich die MAN-Gruppe wieder zügig voll und ganz ihren Kerngeschäften und ihrer weiteren Unternehmensentwicklung widmen könne, erklärte MAN.
Samuelsson sei "zu der Überzeugung gekommen, dass es zum Wohle des Unternehmens einen personellen Neuanfang auf höchster Ebene geben sollte".
Als kommissarischen Nachfolger ernannte MAN Georg Pachta-Reyhofen, der an der Spitze des Schiffausrüsters MAN Diesel, einem MAN-Tochterunternehmen, steht. Samuelsson sicherte dem Präsidium des Aufsichtsrats den Angaben zufolge zu, dass er den Wechsel an der Spitze von MAN "positiv begleiten" und Pachta-Reyhofen in seinen Aufgaben unterstützen werde.
Geld könnte über Briefkastenfirmen geflossen sein
Die MAN-Gruppe wird derzeit von einem Schmiergeldskandal erschüttert, über den Samuelsson laut "Handelsblatt" stürzte. Das Unternehmen steht in dem Verdacht, Schmiergelder zur Ankurbelung der eigenen Geschäfte gezahlt zu haben. Bei Zahlungen im Ausland vermutet die Staatsanwaltschaft, dass Geld über Briefkastenfirmen sowie über Barauszahlungen geflossen sei.
Neue Erkenntnisse aus internen Untersuchungen hätten zu einer Neubewertung der Rolle Samuelssons geführt, erfuhr das die Zeitung aus Unternehmenskreisen. Der gestürzte Vorstandschef sei zwar nach derzeitigem internen Erkenntnisstand nicht juristisch, aber politisch mitverantwortlich.
Ferdinand Piech vom Großaktionär VW habe die Situation genutzt, um sich von Samuelsson zu trennen, hinter dem er ohnehin schon länger nicht mehr gestanden habe. Laut "Handelsblatt" wurde die Trennung von Samuelsson intern bereits Ende vergangener Woche verkündet.
Samuelsson weiterhin kein Beschuldigter
Die Münchener Staatsanwaltschaft betonte, es gebe keinen erkennbaren Zusammenhang zu ihren Ermittlungen in der Affäre. Samuelsson sei weiterhin kein Beschuldigter, sagte Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch dem Handelsblatt. Im Visier der Staatsanwaltschaft sind über hundert Beschuldigte. Es besteht der Verdacht, dass Bestechungsgelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden gezahlt wurden.
Die Nachricht ließ die Aktien des Unternehmens am Montag in die Höhe schnellen. Sie stiegen zeitweise um 4,9 Prozent auf ein Jahreshoch von 62,44 Euro.
MAN hatte infolge der weltweiten Wirtschaftskrise deutliche Ertrags- und Auftragseinbußen verzeichnet. Nach Unternehmensangaben war der Umsatz im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 3,1 Milliarden Euro gefallen. Unter dem Strich blieben nach 302 Millionen Euro vor einem Jahr nur noch sechs Millionen Euro als Gewinn. Besonders das Kerngeschäft mit schweren Lkw und Bussen entwickelte sich schwach.