Smartphone-Probleme Nokia sucht einen neuen Chef
Nokia-Chef Kallasvuo: Seit 2006 an der Spitze des weltgrößten Handyherstellers
New York/Berlin - Olli-Pekka Kallasvuo muss sich offenbar bald einen neuen Job suchen. Der Nokia-Chef steht laut "Wall Street Journal" unmittelbar vor seiner Ablösung. Der Aufsichtsrat des weltgrößten Handyherstellers habe bereits mindestens zwei Kandidaten aus den USA angesprochen. Das Gremium strebe eine Entscheidung bis Ende des Monats an, schreibt die Zeitung unter Berufung auf informierte Personen.
Dem "WSJ" zufolge hat der Chef eines großen US-Technologiekonzerns Nokia abgesagt, weil er nicht nach Finnland ziehen wollte. Auch ein weiterer Manager aus den USA sei bereits für den Job interviewt worden, hieß es.
Nokia-Aktien stiegen am Vormittag zeitweise um mehr als fünf Prozent. "Da ist dieses Fünkchen Hoffnung, dass es Veränderungen geben wird, nicht nur personelle Veränderungen, sondern auch strategische", sagte Analyst Sami Sarkamies von Nordea in Helsinki.
Die mögliche Ablösung des Nokia-Chefs kommt nicht ganz überraschend. Der finnische Konzern hat zunehmend Probleme im Geschäft mit , den Computer-Handys mit mobilem Internet-Zugang. Zwar ist Nokia immer noch größter Smartphone-Hersteller mit einem Marktanteil von zuletzt knapp 40 Prozent. Die größten Impulse kommen inzwischen jedoch von Apple mit dem iPhone und von Google mit dem Betriebssystem Android. Nokias Versuche, die Wettbewerber hier wieder einzuholen, blieben bisher wenig erfolgreich. Die Probleme fallen nun auf Kallasvuo zurück, der seit 2006 an der Spitze des Konzerns steht.
Droht Nokia die Marktführerschaft zu verlieren?
Mit dem Führungswechsel versucht der Nokia-Aufsichtsrat offenbar, den Abwärtstrend zu stoppen. Denn verliert Nokia den Anschluss, läuft die langjährige Nummer eins Gefahr, mit der Zeit vor allem auf die Märkte der Entwicklungsländer reduziert zu werden. Dort wächst die Zahl der Mobilfunknutzer zwar explosionsartig - dort verkauft der Konzern aber vor allem günstige Handys, die weniger Gewinn abwerfen.
Dagegen sind Smartphones ein überaus profitables Geschäft. Schon heute macht Apple nach Berechnungen von Experten mit Mobiltelefonen mehr Gewinn als Nokia - muss dafür aber deutlich weniger Geräte verkaufen.
Noch vor wenigen Jahren sah es bei Nokia wesentlich besser aus: Der Konzern hielt damals zwei Drittel des noch kleinen Smartphone-Marktes. Mit der wachsenden Popularität der Hightech-Handys schwand jedoch die Stärke der Finnen. Bei mobilen E-Mail-Diensten sind die -Handys von Research in Motion stark. Apple veränderte das Geschäft mit dem Start seines iPhone 2007 mit einem Fokus auf Software und eine einfache Bedienung. Die Stärke von Android ist die Vielzahl der Hersteller, die Telefone mit dem offenen Betriebssystem anbieten.
Nokia versuchte in den vergangenen Jahren immer wieder, bei Smartphones mit der Konkurrenz mitzuhalten. Ähnlich wie bei Apple gibt es zum Beispiel einen Musikdienst und eine Software-Plattform. Doch die Popularität der Dienste und Geräte von Nokia hielt sich in Grenzen. Im Juni musste der Konzern seine Gewinnprognose senken - wegen der Schwächen im Smartphone-Bereich.
Der Konzern hofft nun auf das neue Smartphone N8, eine neue Version des Betriebssystems Symbian und eine Kooperation mit dem weltgrößten Chiphersteller Intel, mit dem zusammen das neue Betriebssystem MeeGo entwickelt wird. Mit MeeGo hoffen die Partner, eine Plattform für alle möglichen Arten mobiler Geräte etablieren zu können.