Trotz Beinahe-Pleite Solarworld schluckt Bosch-Werke
Solarworld-Chef Asbeck: Zukauf trotz hoher Schulden
Foto: WOLFGANG RATTAY/ REUTERSDüsseldorf - Inmitten der Branchenkrise und zusätzlich zu seiner eigenen Sanierung übernimmt Solarworld das verlustreiche Thüringer Solarwerk von Bosch. Solarworld steigt damit nach Angaben von Konzernchef Frank Asbeck zum größten Solarhersteller außerhalb Chinas auf - mit knapp 3000 Beschäftigten und einer Fertigungskapazität von über einem Gigawatt.
Die Firmen teilten mit, dass Solarworld am Standort Arnstadt 800 Mitarbeiter, eine Zellfertigung mit 700 Megawatt Produktionskapazität und eine Modulfertigung mit 200 Megawatt übernimmt. Das Kartellamt muss der Transaktion noch zustimmen.
Zu finanziellen Details machten die Firmen keine Angaben. "Der Kauf wird die Finanzmittel der Solarworld AG nicht reduzieren", heißt es lediglich in einer Mitteilung vom Dienstag. Bosch ging es wohl vor allem darum, dass der Käufer dem Standort eine realistische Perspektive bieten kann.
Für Bosch war der Ausflug in die Solarbranche ein Desaster. Der Autozulieferer war erst 2008 mit der Übernahme der einst börsennotierten Ersol in das damals gewinnträchtige Geschäft eingestiegen und hatte über 500 Millionen Euro in den Standort im thüringischen Arnstadt investiert. Doch der Preisverfall bei den Modulen sorgte dafür, dass Bosch seit damals rund 2,4 Milliarden Euro verbrannte.
Bosch-Chef Volkmar Denner sagte, Solarworld habe "bessere Kostenpositionen und eine bessere regionale Aufstellung" als Bosch und daher die Chance, die Werke profitabel zu führen. Asbeck verspricht sich Wettbewerbsvorteile und hofft, die Kosten so zu drücken.
Solarworld, einst das Aushängeschild der Branche, steckt tief in der Krise. Den Konzern drücken Schulden von 900 Millionen Euro. Erst im August hatten Aktionäre ein Sanierungskonzept abgesegnet. Durch dieses verlieren sie einen Großteil ihrer Anteile. Dazu tauschen die Gläubiger einen Teil der Schulden in Aktien, was die Verbindlichkeiten von über 900 Millionen Euro auf unter 500 Millionen drückt.
Branchenexperten sind denn auch skeptisch, ob die Übernahme eine gute Idee ist. "Wir halten die Vereinbarung für eine Fehlentscheidung der Geschäftsführung", sagt Wolfgang Hummel, Direktor des Berliner Zentrums für Solarmarktforschung. "Das Unternehmen befindet sich in der Sanierung. In dieser Phase einen weiteren Unternehmensteil zu integrieren, führt zu zusätzlichen Belastungen." Der deutsche Markt schrumpfe zudem, sagt Hummel. "Zusätzliche Fertigungskapazitäten in Deutschland machen für Solarworld betriebswirtschaftlich keinen Sinn."
Der Verkauf der Bosch-Solarsparte ist noch nicht komplett abgeschlossen. Für Firmenteile mit derzeit noch 2600 Beschäftigten in Frankreich und Brandenburg wird noch nach Lösungen gesucht.