Ultimatum an die Politik Sägenhersteller Stihl droht mit Abwanderung
Forstarbeiter mit Stihl-Säge: »Der deutsche Standort hat innerhalb kürzester Zeit massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren«, sagt der Aufsichtsratschef von Stihl
Foto: Christian Charisius / dpaDer baden-württembergische Sägenhersteller Stihl stellt der Politik ein Ultimatum für Standortreformen. »Wenn die Standortbedingungen in Deutschland unter der neuen Regierung besser werden, sind wir bereit, eine neue Fertigung hier in der Region aufzubauen. Die Politik hat jetzt bis 2030 Zeit«, sagte Aufsichtsratschef Nikolas Stihl der Zeitung »Augsburger Allgemeine «. Andernfalls erwäge das Unternehmen, im Ausland zu investieren.
Geplant war eigentlich ein neues Werk in Ludwigsburg. Die Investition sei nun jedoch aufgeschoben. Als Gründe für die drohende Abwanderung im Falle des Werks nannte Stihl gestiegene Baukosten, ausufernde Bürokratie und hohe Arbeitskosten. »Der deutsche Standort hat innerhalb kürzester Zeit massiv an Wettbewerbsfähigkeit verloren«, so Stihl. »Ich mache mir große Sorgen um den Standort Deutschland.« Gleichzeitig bekräftigte er, das Unternehmen wolle in Deutschland bleiben.
Es ist nicht das erste Mal, dass Stihl mit Abwanderung droht. Bereits im April vergangenen Jahres hatte sich Nikolas Stihl ähnlich geäußert . Nun sagte er, die Deindustrialisierung sei hierzulande bereits in vollem Gang. »Industriearbeitsplätze, die verloren gehen, kommen nicht mehr zurück«, sagte Stihl. Er warf der SPD und den Grünen vor, dies nicht wahrhaben zu wollen. Doch auch die EU hätte zuletzt Probleme geschaffen. Auf EU-Ebene müsse man »bisherige Regelungen rückgängig machen«, sagte Stihl, ohne konkreter zu werden.
Arbeitsstunde in der Schweiz günstiger
Nach einem Rekordumsatz im Jahr 2022 sei die Situation nun schlechter, die Firma müsse über Maßnahmen wie Altersteilzeit »im bescheidenen Umfang Arbeitsplätze abbauen«. Stihl zufolge investiert das Unternehmen hierzulande vor allem in »Rationalisierung, also in eine weitere Automatisierung der Produktion«. Grund seien die steigenden Kosten.
Für den geplanten neuen Standort sei die Schweiz eine Option, so der Unternehmer. Das Unternehmen produziere dort bereits seit rund 50 Jahren Sägeketten. Stihl zufolge sei eine Arbeitsstunde für das Unternehmen dort trotz höherer Löhne zehn Prozent günstiger als in Deutschland, »auch weil die Menschen in der Schweiz länger arbeiten und weniger Urlaub als in Deutschland haben«. Außerdem sei die Bürokratie geringer ausgeprägt.