Streik bei Total In Frankreich wird Benzin knapp
Streikende Total-Mitarbeiter im französischen Nantes: Sechs Raffinerien runtergefahren
Foto: STEPHANE MAHE/ REUTERSParis - Wegen Streiks in den Raffinerien des Ölkonzerns Total haben sich in Frankreich erste Engpässe bei der Benzinversorgung abgezeichnet. Knapp 130 von 2600 Tankstellen der Marken Total und Elf meldeten am Montag fehlende Bestände bei mindestens einer Treibstoffsorte, teilte der Konzern mit. Die Regierung versicherte, sie werde alles tun, "damit Frankreich nicht blockiert werde".
Anlass für den Streik ist die geplante Schließung der Total-Raffinerie Flandern bei Dünkirchen in Nordfrankreich. Betroffen sind seit Mittwoch landesweit sechs Total-Raffinerien. Sie liefern rund die Hälfte des an Tankstellen verkauften Treibstoffs in Frankreich. Laut Total reichen die Lagerbestände bei einem fortgesetzten Ausfall der Produktion für 10 bis 20 Tage; regionale Engpässe können aber schon früher auftreten.
Als Folge des Streiks mussten bereits alle sechs Raffinerien des Unternehmens heruntergefahren werden. Ein Teil der Gewerkschaften stimmte am Montag für eine Fortsetzung des Streiks. Total hatte zuvor angeboten, eine entscheidende Sitzung des Gesamtbetriebsrates auf den 8. März vorzuziehen. Das Unternehmen versprach außerdem, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Der Konzern wollte eigentlich erst Ende März mitteilen, welche Beschäftigungsalternativen den 370 Mitarbeitern dort wegen der Schließung angeboten werden.
Die Gewerkschaften fürchten, dass die Schließung in Nordfrankreich nur der Anfang ist, nachdem der Benzinverbrauch in Frankreich in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen ist. Die Arbeitnehmervertretungen hatten Gespräche mit Total am Sonntag abgebrochen und dem Konzern vorgeworfen, bisher nur unverbindliche Absichtserklärungen gemacht zu haben. Die Gewerkschaft CGT rief zu einer Ausweitung des Streiks auf. Sie hatte bereits am Freitag auch die Mitarbeiter in zwei Raffinerien beim Konkurrenten Exxonmobil ab Dienstag zum Streik aufgerufen.
Mittlerweile schaltete sich auch der Elysée in den Konflikt ein. Der Chef des Aufsichtsrats, Thierry Desmarest, wurde am Montag zu einem Gespräch in den Präsidentenpalast gebeten. Industrieminister Christian Estrosi forderte den Ölkonzern auf, baldmöglichst einen Alternativplan für den Standort Dunkerque vorzulegen. Anderenfalls sollte die seit September stillgelegte Raffinerie wieder in Gang gesetzt werden. Total betreibt jede zweite Raffinerie in Frankreich.