Insolventes Modeunternehmen Verkauf von Strenesse endet im Chaos
Strenesse-Model (Archivbild)
Foto: Sören Stache/ dpaVor drei Tagen schien zwischen der Strenesse AG, deren Insolvenzverwalter und dem designierten Käufer, der Maeg Holding aus Amsterdam, noch alles in bester Ordnung. Insolvenzverwalter Jörg Nerlich ließ mitteilen: "Der Geschäftsbetrieb der Strenesse AG soll noch in dieser Woche auf den Investor übergeleitet werden." Anders gesagt: Das krisengeschüttelte Unternehmen Strenesse bekommt einen neuen Eigentümer.
Davon kann nun keine Rede mehr sein. Die Übernahme ist gescheitert. Mehr noch: Beide Seiten machen sich schwere Vorwürfe. Zunächst ließ Maeg eine Pressemitteilung verschicken. Kern der Vorwürfe: Es habe sich inzwischen herausgestellt, dass die während des Investorenprozesses vorgelegten Angaben über die wirtschaftliche Situation von Strenesse falsch gewesen seien. Der wahre Investitionsbedarf zur Neuaufstellung von Strenesse sei deshalb um ein Vielfaches höher, als auf Grundlage der vorgelegten Zahlen kalkuliert werden konnte.
Kurz darauf konterte Strenesse-Insolvenzverwalter Nerlich - ebenfalls per Pressemitteilung. Er beschuldigt Maeg, "die Kaufpreiszahlung nicht fristgerecht erbracht" zu haben. Deshalb sei er vom Vertrag zurückgetreten. Nach Angaben Nerlichs hätte Maeg bis zum 31. August den Kaufpreis zahlen sollen. "Diese Frist wurde mit Zustimmung des Gläubigerausschusses bis zum heutigen Tage 12 Uhr verlängert, ohne dass der Kaufpreis bezahlt wurde."
Maeg wollte ursprünglich alle 240 Mitarbeiter des schwäbischen Modeherstellers übernehmen. Dafür hatte der Investor bereits eine neue GmbH gegründet. Hinter Maeg steckt die vermögende polnische Investorenfamilie Kucharczyk. Die Familie hält bereits Beteiligungen im Energiesektor sowie kleinere Anteile an Dax-Konzernen. Mit der Textilbranche hatten die Kucharczyks bislang nichts zu tun, nun wollen sie aber eine Modeholding mit mehreren Premium- und Luxusmarken schaffen.