»Süddeutsche Zeitung« bespitzelt eigene Redaktion auf Suche nach »Maulwurf« – heftige Kritik - DER SPIEGEL
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Fahndung nach »Maulwurf« »SZ« durchsucht Kontaktdaten eigener Redaktion – heftige Kritik

Die »Süddeutsche Zeitung« hat Telefon- und Maildaten ihrer Redakteure durchsucht, im Versuch, einen Informanten des Branchendienstes »Medieninsider« zu finden. Die Chefredaktion verteidigt das Vorgehen.
Verlagsgebäude der »SZ«: Informant in eigener Redaktion
Verlagsgebäude der »SZ«: Informant in eigener Redaktion

Verlagsgebäude der »SZ«: Informant in eigener Redaktion

Foto: Sven Hoppe / dpa

Die Chefredaktion der »Süddeutschen Zeitung« hat E-Mail- und Telefonverbindungen ihrer Mitarbeiter nach Kontakten zum Branchendienst »Medieninsider« durchsuchen lassen, nachdem Informationen aus einer internen Redaktionskonferenz von diesem veröffentlicht worden waren.

Die Suche nach einem Informanten aus dem eigenen Haus war nach »SZ«-Angaben mit dem Betriebsrat abgestimmt. »Wenn das Herz einer Redaktion abgehört wird, können wir das nicht hinnehmen«, sagte Chefredakteur Wolfgang Krach zu dem Vorgang – der erneut durch den »Medieninsider« selbst enthüllt worden war . »Das zerstört die Arbeitsgrundlage einer Redaktion.«

Die Redaktionskonferenz, über die der »Medieninsider« ausführlich berichtet hatte, fand Ende vergangenen Jahres statt. Es ging damals um Plagiatsvorwürfe zum Umgang mit Quellen in Texten der stellvertretenden Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid.

Sie soll teils Kontextabsätze in ihren Geschichten wortgleich aus anderen Portalen übernommen haben , ohne dies zu kennzeichnen. Die Chefredaktion der »SZ« hat diesen fehlerhaften Umgang laut Krach inzwischen bestätigt.

Der »Medieninsider« berichtete nicht nur über Föderl-Schmids unsaubere Arbeit, sondern auch über die internen Reaktionen auf die Enthüllung. Führende Redakteure sollen diese demnach als »Kampagne« gegen die »SZ« bezeichnet haben, darunter auch Krach.

Mit ihrer Suchaktion wollte die Chefredaktion herausfinden, wer die Informationen an »Medieninsider« weitergegeben hatte. »Wir haben keine persönlichen Accounts eingesehen und keine Inhalte von E-Mails oder Telefonaten«, sagte Krach. Man habe nur nach Verbindungen zwischen »SZ«-Verlag und »Medieninsider« gefahndet. Die Suche sei ohne Ergebnis geblieben und noch 2023 beendet worden.

In einer Stellungnahme der »SZ« hieß es: »Redaktionsausschuss, Betriebsrat und Chefredaktion sind sich einig, dass der Schutz des Redaktionsgeheimnisses für unsere Arbeit unabdingbar ist. Deshalb steht es für uns außer Frage, dass wir Kolleginnen und Kollegen, die das Redaktionsgeheimnis verletzen, versuchen ausfindig zu machen.«

Enthüllt wurde die Suchaktion wiederum durch den »Medieninsider«. Demnach kam die Aktion vergangenen Dienstagabend auf einer vorgezogenen Redaktionsvollversammlung heraus. Krach habe dort seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck gebracht, dass Aussagen von ihm nach draußen getragen wurden. Es sei auch mehrfach der Begriff »Maulwurf« gefallen.

»Ernsthafte Fragen« zum Quellenschutz

Später habe die Chefredaktion erklärt, dass sie nicht herausgefunden habe, wie die Informationen nach außen gelangt seien. Darauf habe es kritische Nachfragen gegeben. Erst dann habe Krach über die Suchaktion informiert.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisiert das Vorgehen der »SZ«-Chefredaktion. Sie werfe »hinsichtlich des journalistischen Grundprinzips des Quellenschutzes ernsthafte Fragen auf«, sagte Vorstandssprecherin Katja Gloger.

Bei ihrer Arbeit stützen sich Medien in Recherchen selbst oft auf interne Informationen aus Unternehmen und Organisationen – und schützen diese Quellen bestmöglich. Es sei daher »bedenklich«, dass die Chefredaktion der »SZ« nun selbst nach solchen vertraulichen Quellen fahnde, sagte Gloger sinngemäß. »Vertrauliche Kommunikation bildet die Grundlage für Journalismus, vor allem dann, wenn es sich um investigative Recherchen handelt.«

In einer Stellungnahme der Chefredaktion hieß es dazu: »Die ›Süddeutsche Zeitung‹ toleriert keinerlei Angriff auf den Schutz der Pressefreiheit, weder von außen noch von innen.« Das eigene Vorgehen sieht man durch eine Betriebsvereinbarung gedeckt. Auch der Betriebsrat verwies auf diese Regelung.

ssu/dpa

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