Thomas Enders Deutscher Top-Manager wird EADS-Chef
Künftiger EADS-Chef Enders: Große Erfolge
Foto: Angelika Warmuth/ dpaParis - EADS wird künftig von Thomas Enders geleitet. Der Deutsche ist derzeit Chef von Airbus, einer Tochter von Europas größtem Luft- und Raumfahrtkonzern. Der Wechsel soll nach der Hauptversammlung am 31. Mai vollzogen werden, teilte EADS am Donnerstag mit. Louis Gallois führt das Unternehmen seit 2007 und scheidet zum 31. Mai nach fünf Jahren wie geplant aus.
Nachfolger von Enders wird der Franzose Fabrice Brégier. Der französische EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère beerbt im Zuge des turnusmäßigen Führungswechsels Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber als Vorsitzenden des EADS-Verwaltungsrats.
Prominentes Neumitglied im obersten Kontroll- und Entscheidungsgremium wird Jean-Claude Trichet. Der 69 Jahre alte französische Finanzexperte war bis vor kurzem Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).
Enders gilt als willensstarker Manager, der sich bereits seit Jahren als Sanierer und strategischer Entwickler Respekt erwirbt. Er hatte mit Airbus zuletzt große Erfolge gefeiert. Mit mehr als 1400 Bestellungen stellte des Konzern 2011 einen Bestellrekord auf. Im vergangenen Jahr schuf Airbus rund 4500 neue Jobs, 2012 sollen es mehr als 4000 weitere sein.
Enders hat in Bonn und den USA Politik, Volkswirtschaft und Geschichte studiert. Seine Karriere verlief zwischen Management, Politik und Bundeswehr. Der Fallschirmjäger stieg bis zum Major der Reserve auf, was ihm bei EADS den Spitznamen "Major Tom" einbrachte. Er gilt mitunter als hemdsärmelig und legt auch schon mal den Nadelstreifenanzug ab, um demonstrativ die Zuverlässigkeit des neuen Airbus-Militärtransporters durch einen Fallschirmsprung zu dokumentieren.
Enders' Benennung zum Konzernchef war allerdings wohl nicht ganz unproblematisch. Unter anderem das "Handelsblatt" hatte berichtet, dass französische Regierungskreise die anstehende Ernennung von Enders zum neuen EADS-Chef blockieren.
Angeblich missfielen den Franzosen unter anderem Enders' Pläne, die Ressorts Finanzen und Personal von Paris und München nach Toulouse zu verlegen. Paris wollte demnach ein deutsches Übergewicht in dem Konzern verhindern. Laut Presseberichten soll Enders damit gedroht haben hinzuschmeißen, wenn seine neue Führungsriege nicht akzeptiert werde.