ThyssenKrupp: Stahlkonzern trennt sich von drei Top-Managern
Stahlkonzern in der Krise ThyssenKrupp wirft halben Vorstand raus
Frankfurt am Main - Deutschlands größter Stahlkonzern reagiert mit drastischen Maßnahmen auf die schwelende Unternehmenskrise. ThyssenKrupp wirft gleich drei Vorstandsmitglieder raus. Der Personalausschuss des Aufsichtsrats empfahl dem Kontrollgremium am Mittwoch, die Verträge von Olaf Berlien, Edwin Eichler und Jürgen Claassen zum 31. Dezember aufzuheben, wie der Konzern mitteilte.
"Mit dieser Empfehlung an den Aufsichtsrat trägt der Personalausschuss der Gesamtverantwortung des Vorstands für die Führung der Geschäfte und die Führungskultur des Unternehmens Rechnung", hieß es. ThyssenKrupp verwies auf die Probleme des Konzerns im amerikanischen Stahlgeschäft und die Aufdeckung einer Reihe von Korruptions- und Kartellfällen.
Am 20. November habe der Aufsichtsrat eine Prüfung des US-Geschäfts in Auftrag gegeben. Dabei habe sich ergeben, "dass sich eine Reihe der vom damaligen Vorstand zugrunde gelegten Annahmen und Kennzahlen als deutlich zu optimistisch oder im Nachhinein als falsch erwiesen haben".
"Es stellt sich die Frage nach der Führungskultur"
Außerdem sehe der Konzern sich mit einer Reihe von Korruptions- und Kartellfällen konfrontiert. "Auch in diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der bisherigen Führungskultur im Konzern."
Dem Konzern drohen gleich mehrere Schadensersatzklagen. Die EU-Kommission hatte bereits eine millionenschwere Geldbuße verhängt. Berlien ist für diesen Unternehmensbereich verantwortlich, Eichler war im Vorstand für Stahl zuständig.
Claassen war wegen teurer Reiseeinladungen an Journalisten und eigener Reisen in die Kritik geraten. Gegen ihn prüft die Staatsanwaltschaft Essen die Aufnahme von Ermittlungen. Der Manager hatte den Aufsichtsrat bereits in der vergangenen Woche gebeten, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden.