Umstrittener HSH-Chef Parteien forcieren Nonnenmacher-Rauswurf
HSH-Nordbank-Chef Nonnenmacher: Grobe Pflichtverletzung
Foto: dapdHamburg - Der umstrittene HSH-Nordbank-Chef Dirk Jens Nonnenmacher steht unmittelbar vor dem Aus. Die Hamburger Grünen und die FDP in Schleswig-Holstein wollen nach Informationen des SPIEGEL schon am kommenden Dienstag seine Ablösung durchsetzen. Der Grund: Die Parteien fühlen sich von dem Vorstand der gemeinsamen getäuscht.
Die Hamburger Grünen sind sogar bereit, im Zweifelsfall auch die Koalition mit der CDU platzen zu lassen. "Alles andere als eine Entlassung von Nonnenmacher werden wir jetzt am Dienstag im Senat nicht akzeptieren", sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Jens Kerstan dem SPIEGEL. Der Kieler FDP-Fraktionschef kündigte an: "Wir werden seinen Rauswurf in der nächsten Woche in Angriff nehmen."
Das Gezerre um Nonnenmacher erreicht damit seinen Höhepunkt. Hintergrund sind Verträge zwischen der Bank und der von ihr beauftragten Sicherheitsfirma Prevent AG, die das Geldinstitut bereits am Dienstag vergangener Woche dem Hamburger Senat und der Kieler Landesregierung vorlegen sollte. Mindestens einen dieser Verträge hat Nonnenmacher allein unterschrieben und damit offenbar gegen die internen Zeichnungsvorschriften der Bank verstoßen.
Tatsächlich trafen entsprechende Papiere erst mit zwei Tagen Verspätung bei den Landesregierungen ein und waren, wie sich herausstellte, nicht vollständig. So hatte die Bank nur einen sogenannten Leistungsschein aus dem Februar 2010 übergeben, den Nonnenmacher nicht unterschrieben hatte. Schuldig blieb sie dagegen jenen Leistungsschein vom 14. August 2009, den Nonnenmacher allein unterzeichnet hatte. Dieser Alleingang stellt aus Sicht der Grünen und der FDP eine so grobe Pflichtverletzung dar, dass Nonnenmacher ohne Abfindung entlassen werden könnte.
Keine ernstzunehmenden Hinweise für eine Gefährdung
Die Verbindung zwischen der Bank und Prevent war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil die Sicherheitsfirma an der dubiosen Entlassung zweier HSH-Manager beteiligt gewesen sein soll. Außerdem rechnete sie allein im vergangenen Jahr mehr als sieben Millionen Euro bei der HSH ab. Ein großer Teil davon entfiel auf persönliche Schutzmaßnahmen für Nonnenmacher - im zweiten Halbjahr 2009 für fast 950.000 Euro. Begründet wurde das mit einer angeblichen Gefährdung Nonnenmachers.
Im Widerspruch dazu steht nun aber ein Brief des schleswig-holsteinischen Innenministers Klaus Schlie (CDU). Demnach waren zwar Hinweise auf eine mögliche Bedrohung beim Landeskriminalamt eingegangen. Diese hätten aber allesamt von Prevent selber gestammt. Es hätten dagegen "keine ergänzenden Hinweise vorgelegen, so dass auch keine Schutzmaßnahmen für Repräsentanten der Bank in Schleswig-Holstein angeordnet wurden". Auch beim LKA Hamburg sah man keine ernstzunehmenden Hinweise für eine Gefährdung.