Unbefristeter Pakt Siemens schützt 128.000 Mitarbeiter vor Kündigung
Siemens-Trainingscenter in Berlin: "Vorbild für die gesamte deutsche Industrie"
Foto: Sean Gallup/ Getty ImagesBerlin - Von einer solchen Regelung träumen Millionen Arbeitnehmer: Laut "Welt" schließt der Technologiekonzern Siemens mit seiner inländischen Belegschaft einen unbefristeten Beschäftigungspakt. Damit sind 128.000 Beschäftigte dauerhaft vor Entlassungen geschützt, betriebsbedingte Kündigungen dürfen nur noch mit Zustimmung des Betriebsrats ausgesprochen werden.
Die konkrete Vereinbarung wollen Vorstand, Gesamtbetriebsrat und IG Metall an diesem Mittwoch am Rande einer Aufsichtsratssitzung unterzeichnen, berichtet die Zeitung. Unter dem Pakt sollen die Unterschriften von Vorstandschef Peter Löscher, Personalvorstand Brigitte Ederer, IG-Metall-Chef Berthold Huber sowie von Betriebsratschef Lothar Adler stehen.
Siemens wollte sich vor der Sitzung nicht zu dem Bericht äußern. Aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete aber, dass Entlassungen künftig so gut wie ausgeschlossen seien. Gegen Mittag sei mit einer offiziellen Mitteilung zu rechnen. Arbeitnehmervertreter lobten die Vereinbarung als Vorbild für die gesamte deutsche Industrie.
Bei der Sparte SIS fallen trotzdem Stellen weg
Die unbefristete Vereinbarung gilt laut "Welt" auch für alle Siemens-Tochtergesellschaften in Deutschland, mit Ausnahme der angeschlagenen IT-Sparte SIS. Der Bereich bereitet dem Unternehmen seit langem Sorge. Zum 1. Oktober soll er ausgegliedert werden, außerdem wurde hier bereits der Abbau von 2000 Stellen in Deutschland vereinbart.
Weltweit beschäftigt Siemens in 190 Ländern rund 400.000 Mitarbeiter. Der unbefristete Beschäftigungspakt soll aber nur für die 128.000 Arbeiter und Angestellten in Deutschland gelten.
Einen ähnlichen Pakt hatten Siemens und die Arbeitnehmervertreter zwar schon im Sommer 2008 geschlossen - die damalige Regelung war jedoch auf zwei Jahre befristet. Seinerzeit ging es darum, ein milliardenschweres Einsparprogramm samt Abbau Tausender Arbeitsplätze in Vertrieb und Verwaltung sozial abzufedern. Zu den Eckpunkten der Vereinbarungen gehörten der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen und eine auf bis zu zwei Jahre angelegte Beschäftigungsgesellschaft.
Dass der neue Pakt nun unbefristet laufen soll, ist dagegen eine Sensation. Laut "Welt" werten Betriebsrat und Gewerkschaft die Vereinbarung als Zugeständnis der Konzernführung, nachdem die Beschäftigten in der Wirtschaftskrise deutlichen Verzicht geübt hätten - unter anderem durch Kurzarbeit.