Historischer Rekord USA fördern so viel Öl wie noch nie
Ölförderung in Williston (Archiv): USA machen sich unabhängig von Energieimporten
Foto: Andrew Burton / AFPLondon/Moskau - Die USA spielen im weltweiten Ölgeschäft eine immer größere Rolle. Die Produktion nahm um 1,1 Millionen Barrel pro Tag zu und wuchs damit stärker als je zuvor, wie der britische Rohstoffkonzern BP in seiner jährlichen Marktanalyse ermittelte.
Gleichzeitig wächst auch der Ölverbrauch der Vereinigten Staaten am schnellsten, wie aus der in London und Moskau vorgestellten Studie hervorgeht. Mit 400.000 Barrel Mehrverbrauch pro Tag nahm die Nachfrage nach Öl in den USA 2013 (Gesamtverbrauch: 18,9 Millionen Barrel pro Tag) erstmals seit 1999 wieder stärker zu als in China (Gesamtverbrauch: 10,8 Millionen Barrel pro Tag).
Im weltweiten Durchschnitt produzierten die Ölförderländer der Analyse zufolge lediglich 560.000 Barrel am Tag (0,6 Prozent) mehr als im Vorjahr. Der BP-Jahresbericht wurde erstmals im Jahr 1951 veröffentlicht und gilt als eine Richtgröße der Erdölindustrie.
Öl aus dem Nahen Osten: Schmierstoff für Chinas Wirtschaft
Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) werden die Vereinigten Staaten und Kanada ihre Bedeutung im weltweiten Ölgeschäft in den kommenden Jahren stark ausbauen - vor allem mittels der umstrittenen Fracking-Fördertechnik. Der nordamerikanische Kontinent werde sich bis zum Ende des Jahrzehnts unabhängig von Energieimporten machen und im Geschäft mit Ölprodukten zu einem "Titan beispiellosen Ausmaßes" entwickeln, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Prognose der IEA zur mittelfristigen Entwicklung des Ölmarkts.
Für die USA erwarten die Experten bis 2019 einen Anstieg der Ölfördermenge durch Fracking auf 5,0 Millionen Barrel pro Tag. Dies wäre im Vergleich zu 2013 eine Verdoppelung der Schieferölproduktion. Bis zum Ende des Jahrzehntes prognostiziert die IEA, dass die Exporte aus Nordamerika ein Volumen von 3,5 Millionen Barrel pro Tag erreichen werden. Gleichzeitig prognostiziert die Agentur für die Region Importe von nur 2,6 Millionen Barrel pro Tag.
Konflikte im Irak und in der Ukraine treiben Preise in die Höhe
Während die Experten in Nordamerika ein starkes Wachstum erwarten, rechnen sie in den Staaten der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) nur mit einer verhaltenen Entwicklung. Als Gründe für die Wachstumsschwäche in den Ländern des Ölkartells nennt die IEA politische Wirren und die zum Teil unsichere Lage in einigen Opec-Staaten.
Die IEA geht bislang davon aus, dass die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) ihre Produktion bis 2019 um rund zwei Millionen auf etwa 37 Millionen Barrel pro Tag ausweitet. Fast zwei Drittel dieses Zuwachses werde voraussichtlich der Irak beisteuern.
Doch der Irak als Hoffnungsträger der Opec wird derzeit von schweren Kämpfen erschüttert: Der Vormarsch der Isis-Islamisten bedroht nach Einschätzung der IEA die Pläne der Regierung in Bagdad, die Rohölförderung auszubauen. In der vergangenen Woche haben kurdische Truppen die Kontrolle über die Stadt Kirkuk übernommen, das Zentrum der Erdölindustrie im Irak.
Die Krise im Irak wie auch die in der Ukraine treiben nach Opec-Angaben außerdem die internationalen Preise für Energie in die Höhe. Allein der verschärfte Gaskonflikt zwischen Moskau und Kiew habe den Ölpreis bereits um zwei bis drei US-Dollar je Barrel steigen lassen, sagte Opec-Chef Abdalla Salem El-Badri. El-Badri prognostiziert bis zum Jahr 2035 einen wachsenden Ölbedarf von rund 52 Prozent. Dabei sei von einem Preis von rund 110 US-Dollar je Barrel auszugehen.
Außer den Konflikten im Irak und in der Ukraine führen die ebenfalls von Unruhen ausgelösten Exportausfälle Libyens zu einer Preissteigerung. In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die richtungweisende Rohölsorte Brent aus der Nordsee um knapp sieben Prozent auf aktuell etwa 113 Dollar je Barrel verteuert.